Jan 2015 06

Nach dem Abstieg aus der dritten Liga im Mai vergangenen Jahres wirkt der Oberliga-Spitzenreiter ATSV Habenhausen um Längen gereifter und souveräner als zuvor. An den kommenden Spieltagen kann der Oberligist Weichen in Richtung Wiederaufstieg stellen. Zunächst geht es gegen den Vierten Elsflether TB und die HSG Barnstorf/Diepholz. Die Chancen auf die Meisterschaft stehen gut, tippt Trainer Lars Müller-Dormann.

ATSV 1. Herren

Kaum zu bremsen: Marcel Fischer vom ATSV Habenhausen in der Handball-Oberliga. (Olaf Kowalzik)

Olaf Abshagen kritzelt einem Fotografen am Torpfosten ein Käsekästchen auf den Notizblock und zwinkert vergnügt. Der Handball-Schlussmann des ATSV Habenhausen kann sich diesen kleinen Spaß während des Oberliga-Spiels leisten: Seine Mannschaft ist in der vierten Liga zurzeit das Maß aller Dinge und steuert mit 22:2 Punkten und der ebenso glänzenden Tordifferenz von plus 100 mit Volldampf in Richtung dritte Liga.

Besser geht’s zurzeit nicht, zumal den Südbremern die Konkurrenz aus Bremervörde und Barnstorf/Diepholz einen Spieltag vor dem Ende der Hinrunde mit drei Punkten Abstand hinterherläuft. „Es gibt vielleicht Mannschaften, die eine bessere erste Sieben haben, aber in der Breite stellen wir momentan das stärkste Team der Oberliga“, ist Habenhausens Sportlicher Leiter Hartmut Engelke überzeugt. Angst davor, den Gegnern mit dem neuen Selbstbewusstsein einen zusätzlichen Motivationsschub zu geben, hat er nicht: „Wenn‘s doch so ist!“

Recht hat er. Durch den Abstieg aus der dritten Liga im Mai des vergangenen Jahres wirkt der Oberliga-Spitzenreiter um Längen gereifter und souveräner. Mit 9:51 Punkten und Minus 179 Toren war die Drittliga-Schießbude genauso schnell sang- und klanglos wieder abgestiegen, wie sie mit Hurra ins Halbprofitum aufgerückt war. Vier Spieler hatten das Team danach verlassen, vier rückten aus der eigenen Talentschmiede, dem Verbandsligateam, nach.

„Rückwirkend betrachtet hätten wir damals schon noch den ein oder anderen Punkt holen können“, ist der ATSV-Trainer Lars Müller-Dormann überzeugt. „Eine Überraschung war unser Abstieg aber nicht, angesichts unseres schmalen Etats und der Rahmenbedingungen.“ Immerhin haben die Habenhauser die kostspielige Serie „mit einer schwarzen Null“ überstanden, wie Hartmut Engelke bestätigt. Damit hat sich das Wagnis wenigstens mit Verzögerung sportlich ausgezahlt. „Wir sind ruhiger geworden und spielen unsere Angriffe mehr auf den Punkt. Außerdem klappt unser Umschaltspiel jetzt erheblich besser“, bilanziert „Dodo“ Müller-Dormann. „Alle Spieler haben sich durch die Drittligaerfahrung individuell deutlich weiterentwickelt.“

Angefangen bei Björn Wähmann – der deutlich an Körpergewicht verloren, dafür aber als Spielmacher und Abwehrchef ebenso kräftig an Klasse hinzugewonnen hat – bis hin zu den Torhütern Olaf Abshagen und Marius Voß, dem Topgespann der Liga hinter einer ebenso Klasse-Abwehr. Auf Rechtsaußen ist der aus der Reserve aufgerückte Felix Meier die positive Überraschung des 13er-Kaders, auf Linksaußen entwickelt sich der Youngster Tim Steghofer prächtig weiter.

Mittlerweile gewinnt der ATSV Habenhausen auch die Wackelspiele, in denen er in der Aufstiegssaison noch gestolpert war. Bei der HSG Bützfleth/Drochtersen hatte er sich damals mit 28:29 blamiert und diesmal mit 32:23 überlegen gewonnen. Beim heimstarken TV Bissendorf-Holte ließ er sich die Punkte trotz einer äußerst offensiven gegnerischen Abwehr in der Schlussphase beim 33:30-Sieg nicht mehr entreißen. Das Team lässt sich offenbar nicht mehr so leicht aus der Ruhe bringen.

„Die Chancen auf die Meisterschaft stehen gut“, tippt Lars Müller-Dormann. Und wenn es mit dem Titel tatsächlich klappt? „Der Ehrgeiz der Spieler ist groß, es der dritten Liga noch einmal zu beweisen, dass wir es besser können. Auch vom Verein haben wir grünes Licht bekommen“, sagt der ATSV-Trainer. „Wenn wir das Budget der Saison 2013/14 zusammenbekommen, dann sollen sie auch aufsteigen“, unterstreicht Hartmut Engelke das Gesagte.

Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Schon am Sonnabend muss der Ligaprimus um 17.15 Uhr am Bunnsackerweg gegen den Vierten Elsflether TB zeigen, dass ihm die Weihnachtspause nicht geschadet hat. „Ein Schlüsselspiel“, hat Hartmut Engelke vor dem Klub aus der Wesermarsch Respekt. Zwei Wochen später tritt auch schon die HSG Barnstorf/Diepholz in Habenhausen an: Mit einer Revanche für die einzige Saisonniederlage könnte das Dormann-Team die wichtigen Weichen in Richtung Drittliga-Rückkehr also schnell stellen.

 

Weser Kurier vom 06.01.2015 von Olaf Kowalzik


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