Jan 2015 29

Habenhauser Handballer verlieren ihr erstes Heimspiel

Die Oberliga-Handballer des ATSV Habenhausen haben die Vorentscheidung im Meisterschaftskampf verpasst. Der Drittliga-Absteiger musste sich der HSG Barnstorf/Diepholz zum zweiten Mal in dieser Saison mit 26:31 geschlagen geben. Der Bremer Vorsprung schmilzt damit an der Tabellenspitze auf nur noch einen Zähler zusammen.

Es war die Symbolik des gesamten Handballspiels. Exakt vier Minuten und zwölf Sekunden vor dem Pausenpfiff ging der Anzeigetafel am Bunnsackerweg kurzzeitig der Strom aus. Spätestens in dieser Phase spielte auch der Oberliga-Primus ATSV Habenhausen beim Gipfeltreffen gegen die HSG Barnstorf/Diepholz, als hätte bei ihm jemand den Stecker gezogen. Die Südbremer fielen nach dem 10:12-Zwischenstand durch haarsträubende Fehler auf 10:16 zurück. Am Ende kassierten die Weiß-Blauen vor rund 350 Zuschauern mit 26:31 eine etwas zu hohe, aber dennoch verdiente erste Heimniederlage.

Damit gibt es im Meisterschaftsrennen der Oberliga Nordsee wieder reichlich Spannung. Anstatt den Rivalen auf fünf Punkte Abstand weit von sich zu schieben, lässt der ATSV Habenhausen den scharfen Verfolger bis auf einen Punkt an sich heran. Das verspricht reichlich Spannung für die restlichen elf Spieltage. „Jetzt spüren sie unseren Atem wieder“, sagte HSG-Trainer Mario Mohrland erleichtert.

„Wenn wir unsere Hausaufgaben richtig machen, dann haben wir immer noch alles selbst in der Hand“, sagte Marcel Fischer. „Diesmal hatten wir nicht unseren hundertprozentigen Willen gezeigt. Warum, weiß ich auch nicht“, so der ATSV-Kreisläufer weiter.

Provokanter Facebook-Eint

An der Motivation hatte es bei den Habenhausern im Vorfeld eigentlich nicht gemangelt. Einerseits hätte die Südbremer die 27:30-Hinspielniederlage erst recht heiß machen müssen, für den Rest sorgte auf der Habenhauser Facebook-Seite ein Barnstorfer Fan-Eintrag. 27 Stunden vor dem Anpfiff hatte er dort ein Foto mit einem Spruchband aus der Barnstorfer Halle gepostet: „Who the fuck is Habenhausen?!“ war darauf provokant zu lesen.

Die Antwort kam vom Gastgeber umgehend, als ihn Tim Steghofer und Mirco Wähmann in einem unheimlich schnellen Auftakt mit 2:0 in Führung warfen. Das 4:3 von Rechtsaußen Hauke Marien war auch schon die letzte Bremer Führung im gesamten Spiel (6.). Sie schwächelten vor allem im linken Rückraum, in dem nacheinander Mirco Wähmann, Mathias Fischer und Mattes Helbig blass und glücklos blieben. Aber auch der Rest hatte mit der HSG-Deckung und dem guten Barnstorfer Schlussmann Donatas Biras seine liebe Mühe.

Hinten ließ sich die Habenhauser Abwehr von den beweglichen Gästen immer wieder ausspielen. „Unser Mittelblock, sonst eigentlich unsere Stärke, stand dieses Mal überhaupt nicht“, bemängelte der sichtbar enttäuschte ATSV-Trainer Lars Müller-Dormann.

Die Niedersachsen drehten den Spieß zum 6:4 um, nach dem 10:12 brachten die Hausherren schließlich in den finalen fünf Minuten keinen Ball mehr im gegnerischen Netz unter. Der Höhepunkt dieser Schwächephase war ein Ballverlust beim Anwurf wenige Sekunden vor Schluss. Barnstorfs Saulus Lutikas hatte gerade zum 15:10 getroffen, da patzte der Ligaprimus erneut und kassierte drei Sekunden vor dem Halbzeitpfiff den nächsten Dämpfer von Laurynas Palevicius zum 10:16. Unfassbar, stümperhaft und innerhalb von nur 13 Sekunden zwei weitere Stiche mitten ins Habenhauser Herz.

„Es war der Wurm drin“

„Bei uns war völlig der Wurm drin, wir haben uns das Leben selbst schwer gemacht“, monierte Lars Müller-Dormann. Damit hatte seine Mannschaft wie schon im Hinspiel das Heft in der ersten Hälfte komplett aus der Hand gegeben.

Wie im Hinspiel folgte in der zweiten Hälfte aber auch die Aufholjagd. Nach dem zwischenzeitlichen 10:17-Rückstand war beim 22:24 von Marcel Fischer alles wieder drin (49.). Näher als bis auf zwei Tore ließen die Niedersachsen ihren Widersacher aber nicht an sich heran. „Letztendlich haben wir uns zu sehr mit uns selbst beschäftigt und gemeckert, anstatt uns auf das Spiel und den Gegner zu konzentrieren“, sagte Müller-Dormann.

Nach dem 26:28 von Yannick Schäfer, ein kraftvoll abgezogener Wurf nach einem beidbeinigem Sprung aus dem Rückraum, ging dem Spitzenreiter die Luft aus. Elf Sekunden nach einer ATSV-Auszeit jagte Mattes Helbig den Ball entgegen der vorherigen Absprache von halblinks hoch in die Wolken. In den finalen 75 Sekunden trafen die Niedersachsen dann noch deprimierende dreimal ins Schwarze.

ATSV Habenhausen: Abshagen, Voß; Mathias Fischer (1), Helbig, Marcel Fischer (1), B. Wähmann (7/4), Schäfer (5), Meier (1), M. Wähmann (4), Ostermann, Marien (4), Müller (n.e.), Steghofer (3)

 

Weser Kurier vom 29.01.2015 von Olaf Kowalzik


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