Jan 2015 23

Sein Name ist in der Handball-Szene immer noch ein Begriff, in der Oberliga kennt ihn jeder. Rainer Lange, ehemaliger Bundesliga-Spieler des TV Grambke, ist Torwarttrainer bei den Männern, den Frauen und beim Jugend-Fördertraining der Südbremer. Der 63-Jährige kann dabei eine Reihe von eigenen Erfahrungen weitergeben.

Bremen. „Olaf, gut gemacht!“ Rainer Lange reckt den Daumen am Spielfeldrand in die Luft. Ein größeres Lob als beim 32:24-Heimsieg in der Handball-Oberliga über die HSG Schwanewede/Neuenkirchen kann es vom Torwarttrainer des ATSV Habenhausen gar nicht geben. Es gleicht schon fast einer Adligsprechung des ATSV-Keepers. Olaf Abshagen weiß das und lächelt zufrieden.
Rainer Lange, der Name ist in der Handball-Szene ein Begriff, obwohl der smarte Bartträger mittlerweile 63 alt ist. Seit Jahren ist er beim ATSV Habenhausen Torwarttrainer, bringt dort die Keeper in der Oberliga Männer als auch im Frauenteam in Form. Im Fördertraining nimmt er außerdem die Schlussmänner im A-Jugendalter mit unter seine Fittiche.
„Wenn man bedenkt, dass ein Torwart rund 50 Prozent eines Spiels ausmacht, dann ist seine Arbeit im Verein umso wichtiger“, sagt der Habenhauser Männer-Coach Lars Müller-Dormann über die Unterstützung auf der Trainerbank. „Gerade meine unerfahrenen jungen Torfrauen können von ihm noch sehr viel lernen“, sagt die Frauen-Trainerin der Südbremer, Corinna Wannmacher.
„Moppel“ Lange („Den Spitznamen habe ich irgendwann in der Schule bekommen“) ist sich aber auch für andere Aufgaben nicht zu schade: Ob Bälle einsammeln, Spiele filmen, taktische Tipps geben oder einfach nur den Seelentröster spielen – er ist immer helfend zur Stelle, immer mittendrin und trotzdem nie im Mittelpunkt des Geschehens. Er ist der Ruhepol des ATSV und damit ein krasser Gegensatz zur heute eher hektischen Sportart.
Lange ist freilich auch ein unbestrittener Kenner seines Fachs. In der E-Jugend des TvdB, dem damaligen Turnverein der Bahnhofsvorstadt (heute SG Findorff), hatte er zwischen den Pfosten seine ersten Handballerfahrungen gesammelt. Damals gab es keinen Torwarttrainer, sodass er sich auf seiner Position selbst durchbiss. Jahr für Jahr lernte er dazu, stetig verbesserte er sich, schaffte es bis in die Landesauswahl -und weckte damit Begehrlichkeiten bei anderen Klubs.
Just in der Zeit, in der er vom Bremer SV als Fußballtorwart angesprochen wurde, lockte ihn auch der damalige Bremer Handball-Gigant TV Grambke. Fußballpremiere in der Oberliga und damit die Abkehr von der gewohnten Sportart oder doch eher die kleinere Ballausgabe mit Aussicht auf die Bundesliga? Das große Torwarttalent brauchte damals nicht lange zum Nachdenken. Er ließ sich von Grambkes Manager Detmar von Salzen in den Bremer Norden lotsen und spielte mit Nationalspieler Wilfried Lankenau und Bundesliga-Torschützenkönig Rolf Harjes in einem Team.
Den sechs Quadratmeter großen Arbeitsbereich teilte er sich mit dem damals ebenfalls noch jungen, späteren Nationaltorwart Reiner Witte und erlebte von 1972 bis 1975 in der höchsten Spielklasse Unvergessliches. Vor ihm stand zunächst aber noch der TVG-Routinier Uwe Hartmann zwischen den Pfosten. „Die Hallen waren voll und die Fahrten mit dem Zug und dem Bus wie zum Beispiel nach Kiel waren einzigartige Erlebnisse“, sagt Lange. 
Selbst gegen den späteren Nationaltrainer und Weltmeister Heiner Brand hatte er gespielt. Schlimm war für ihn damals bestenfalls, dass die mitgereisten Spielerfrauen im Zug feierten, „während wir uns auf die Bundesliga-Partien vorbereiten mussten.“ Nach drei Jahren beim TVG und dem Bundesligaabstieg zog es Rainer Lange weiter zum Zweitligisten TSV Verden. Danach ging es zum Drittligisten SV Werder Bremen, bei dem er seine Ex-Grambker Mannschaftskameraden Willi und Klaus Hohn sowie Harald Lüth und Rolf Dierks wiedertraf. Zum Schluss seiner Karriere spielte Lange dann bei der SG Bremen-Ost.
Heute sind es vor allem Olaf Abshagen und Marius Voß, die im Team seines Sohnes André (Kreisläufer) beim ATSV Habenhausen spielen und sich auf seine Tipps freuen. „Viel kann ich denen nicht mehr beibringen, auch wenn das Torwarttraining natürlich wichtig ist“, wehrt Rainer Lange bescheiden ab. „’Moppel’ gibt uns sehr gute Tipps“, lobt Marius Voß seinen Ratgeber. Dass es hier und da auch den ein oder anderen Anpfiff gibt – geschenkt. „Ich lasse ja im Spiel auch 25 bis 30 Bälle rein, da läuft eben nicht alles optimal.“ Meist sind es aber ermutigende Worte, die Rainer Lange für seine Schützlinge parat hat.
Olaf Abshagen bekommt seine letzten Instruktionen vor dem Heimspiel gegen den Stadtrivalen SV Grambke-Oslebshausen per Zettel: Die Besprechung der Wurfbilder ist an der Reihe – und scheint nach dem anschließenden 34:23-Heimsieg gegen den SV Grambke-Oslebshausen den Nagel voll auf den Kopf getroffen zu haben. „Das klappt auch heute noch“, sagte Rainer Lange rundum zufrieden. „Meist werfen die Schützen ja doch in ihre Schokoladenecke.“
Bei den Auswärtstouren der Habenhauser ist der Routinier ebenfalls mit dabei. „Der Kaffee und der Kuchen seiner Frau Marita dürfen dabei nicht fehlen“, sagt Trainer Müller-Dormann. Marita Lange hatte ihren Rainer beim TvdB kennengelernt und für ihn damals das Korbballspielen aufgegeben. Vor den Auswärtsspielen schmeißt sie regelmäßig den Ofen an, um die Spieler mit leckerem Selbstgebackenem bei Kräften und bei Laune zu halten.
Unter der Woche schickt sie ihren Mann derweil in die Halle, wenn er in den eigenen vier Wänden auch nur den Anflug von Unruhe zeigt. Daher ist er auch dreimal die Woche beim Training des ATSV. „So lange mir das noch Spaß macht, mache ich weiter“, sagt Rainer Lange. Seine Teams hoffen dabei auf eine ganz lange Spaßphase.

Weser-Kurier vom 22.01.2015 von Olaf Kowalzik


Impressum | Powered by Testroom