Mai 2015 16

Der Oberliga-Meister setzt in der neuen Saison in der dritten Handball-Liga vor allem auf Hausmittel

Hartmut Engelke war der ruhigste Mensch in der rappelvoll besetzten Elsflether Stadthalle. Während 120 in zwei Bussen und mit Privatwagen angereiste Handball-Fans ihren ATSV Habenhausen beim 19:21-Rückstand zur Oberliga-Meisterschaft schrien, blieb der Sportliche Leiter des Teams äußerlich cool: „Ein Aufstieg in die dritte Liga beschert mir ja nur Mehrarbeit“, sagte er. Dabei zog er die Mundwinkel hoch.

Na klar, sein Gesichtsausdruck verriet voll und ganz, dass es sich bei diesem Kommentar nur um einen Scherz handelte. Und als seine Mannschaft den Titel tatsächlich noch mit einem 25:23-Erfolg einfuhr und die Saison mit 48:4 Punkten schloss, strahlte natürlich auch er. Ein Fünkchen Wahrheit lag in seiner Aussage aber schon. Denn jetzt, da die Rückkehr in die 3. Liga feststeht, müssten die Weiß-Blauen personell eigentlich nachlegen, um auch eine Etage höher bestehen zu können.

Um eben nicht wie vor einem Jahr als Vorletzter gleich wieder abzusteigen (9:51 Punkte). Die Realität sieht zurzeit anders aus, es gibt vor allem Abgänge: Der linke Rückraumschütze Mathias Fischer (zum Oberligisten HSG Schwanewede/Neuenkirchen) und der Kreisläufer André Ostermann (hört auf) verlassen das Team, außerdem dürfte der starke Torwart Olaf Abshagen als angehender Vater bald nicht mehr so oft wie gewohnt zur Verfügung stehen.

Schulat kommt aus Oldenburg

Mit Marc Schulat vom Oberliga-Absteiger TvdH Oldenburg hat sich dem Aufsteiger bislang nur ein Neuzugang angeschlossen. Der 177-fache Torschütze soll das gut dotierte Angebot eines Viertligisten ausgeschlagen haben, um beim ATSV zum Nulltarif in der dritten Liga zu spielen.

„Er ist die berühmte Nadel im Heuhaufen“, sagt Hartmut Engelke. Schließlich können und wollen die Bremer ihren Spielern nach wie vor kein Geld zahlen. „Das soll sich ja nicht später zu einem Bumerang entwickeln, von dem ich noch gar nicht weiß, aus welcher Richtung der mich wieder trifft.“ 16 Stunden Training und Spiel pro Woche – und das ohne Gegenleistung, wer macht das schon?

Auch die Suche nach Sponsoren ist nicht so einfach. „Wenn wir um 16 Uhr in den Firmen auftauchen, waren die professionelleren Klubs ja schon von acht bis zwölf Uhr vor uns da“, sagt Hartmut Engelke. Nichtsdestotrotz nennt er den Etat für die kommende Spielzeit gesichert. Den taxiert der Sportliche Leiter auf dem Niveau von 2013. Damals kostete die Drittliga-Saison angeblich rund 40 000 Euro.

Jammern will man beim ATSV Habenhausen aber nicht, anpacken und die Probleme lösen – so lautet das Motto. „Wir holen keine Spieler, die uns nur bedingt weiterhelfen können. Dafür haben wir im Unterbau genügend eigene ausbaufähige“, sagt Trainer Lars Müller-Dormann. Der passende Slogan für diesen Ansatz ist auf die Hosen der Spieler gedruckt: Habenhauser Jungs.

Marcel Fischer Foto: O.Kowalzik

Marcel Fischer
Foto: O.Kowalzik

Tatsächlich kommen die Spieler fast alle aus dem Verein oder sind so lange dabei, dass sie als Eigengewächse durchgehen. Ein Glücksfall für den Verein und das Ergebnis weitsichtiger Planung. Trotzdem führen die Weiß-Blauen noch Gespräche mit zwei, drei potenziellen Neuzugängen, darunter auch ein Linkshänder.

Im Fall des Falles wird der ATSV jedoch auf den Unterbau zurückgreifen, der in der Region einzigartig aufgestellt ist: Die Reserve spielt nur zwei Klassen tiefer in der Verbandsliga, direkt eine Klasse darunter, in die Landesliga, ist gerade das dritte Team aufgestiegen. Die Torhüter wie Jannik Wessels und Nils Wilshusen, der starke Youngster Janik Schluroff im Rückraum oder auch der ausbaufähige Kreisläufer Kai Rudolph hätten das Zeug dazu, den Kader auf die geplanten 15 bis 16 Spieler zu erhöhen. „Bis Ende Mai müssen wir personelle Klarheit haben“, sagt Engelke.

Intelligente Trainingssteuerung

Ansonsten setzt der Oberliga-Meister auf die Lehren aus dem Abstiegsjahr aus der dritten Liga. Die Trainingssteuerung mit Verletzungsprophylaxe von Physiotherapeutin Jessica Buchholz soll schwerwiegende Ausfälle wie einst von Eugen Mook und Florian Wachsmann verhindern. Tatsächlich hat der ATSV in der abgelaufenen Meistersaison keinen Ausfall zu verzeichnen. Die Zahl der Trainingseinheiten wird von drei auf vier erhöht.

„Wir haben alle dazugelernt“, sagt Engelke. „Wenn wir von damals nur jeden zweiten oder dritten Fehler wiederholen, dann haben wir die Chance, gegen die finanzstärkere Konkurrenz etwa 20 Punkte zu holen.“ In der gerade beendeten Drittligasaison hätte das allerdings nicht ganz zum angestrebten Klassenerhalt gereicht. Aber das kann im nächsten Jahr ja durchaus auch anders sein. Der ATSV Habenhausen wähnt sich gut gerüstet.

Von Olaf Kowalzik – Weser-Kurier v. 16.05.2015


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