Mai 2015 28

Beim Weser-Cup des SV Werder Bremen tummeln sich hunderte Nachwuchssportler in den Hallen

Rastatt, Solingen, Berlin, Ostholstein – die Autokennzeichen vor der Klaus-Dieter-Fischer-Halle repräsentieren nahezu den Querschnitt der Republik. Klarer Fall: Der Weser-Cup, das große Hallenhandball-Turnier des SV Werder Bremen, hat seine Strahlkraft wieder einmal voll entfaltet. 70 Mannschaften kämpfen binnen drei Tagen um die Erfolge, trauern gemeinsam um die Punktverluste oder fiebern mehr oder weniger lauthals anfeuernd mit ihren mitgereisten Vereinsmannschaften mit.

Weser Cup

Werders Kathleen Hertes hatte mit ihrem C-Juniorinnen-Team im Finale knapp das Nachsehen. (Olaf Kowalzik)

Wie die Mädchen aus Hamm und Danzig. Fangesänge tönen links und rechts durch den Jakobsberg, eine der drei Spielhallen des Turniers. „Die versuchen gegen uns anzustinken“, fordert ein junges Zahnspangen-Mädchen aus Hamm ihre Mitspielerinnen an, noch lauter gegen die Danziger anzusingen. „Das schaffen die doch gar nicht“, entgegnet ihr das eigene Team. Denkste! Der polnische Anhang ist eine Spur ausdauernder und eine Tick lauter. Macht nichts, denn die beiden Mannschaften trennen sich trotzdem leistungsgerecht mit 7:7.

Zeit für eine kleine Modenschau bleibt nebenbei auch. Die weibliche B-Jugend der SG Kappelwindeck/Steinbach nutzte den spielfreien Sonnabend, um sich in der Waterfront reichlich mit Klamotten einzudecken. Massenhaft schleppen die jungen Damen die Papptüten durch die Halle an der Hemelinger Straße. Hier und da wird auch gleich die modische Abendgarderobe für die Sportlerdisco ausprobiert. Eine gute Figur macht der Klub auch bei den Spielen: Er steht mit drei seiner Mädchenteams in den Finalrunden und wird einmal Turniersieger.

Apropos Mode: Hunderte von weißen Schweißbändern zieren die Handgelenke der Spieler. Mal links, mal rechts getragen wirkt es wie der neueste Schrei unter dem Handball-Nachwuchs. Von wegen trendy: Es sind allesamt Spieler mit gebuchter Verpflegung, die zur Kenntlichmachung ein wasser- und reißfestes Armband am Handgelenk tragen. Zum Schutz in der Partie gibt es vom Veranstalter ein Schweißband obendrauf.

Für die hungrigen Mäuler sind die ersten Turnierhelfer schon frühmorgens um 5.30 Uhr aufgestanden, um ihnen ein reichhaltiges Frühstück zu bieten. Selbst Brötchen stehen über die Feiertage frisch auf dem Tisch. Der Bäckermeister Frank Thräm hatte sich persönlich in seine Backstube gestellt, um die knapp 1270 Unersättlichen mit dem leckeren Teiggebäck zu versorgen, nachdem die ihren Kreislauf mit dem ersten Kaffee des Tages wieder angekurbelt haben.

Vor einem Jahr waren es nur 775 hungrige Frühstücksteilnehmer gewesen. „Im Gegensatz zum Vorjahr bleiben unsere Gäste diesmal nicht einen oder zwei Tage, sondern gleich das ganze verlängerte Wochenende da“, erzählt die Weser-Cup-Turnierleiterin Claudia Ronning. Ob es am Beiprogramm mit Disco-, Kinoabend oder auch der Trainer- und Betreuerfeier liegt?

In der Turnierzentrale in der Halle an der Hermine-Berthold-Straße pulsiert mittlerweile das Leben. Ergebnisse werden gesammelt und im PC erfasst. Wenn es eilig ist, wird auch schon mal zum Handy und zu „WhatsApp“ gegriffen. Die Kommandozentrale ist technisch voll auf der Höhe der Zeit, Turnierfotos stellt die Fotografin Imke May sofort auf eine eigens eingerichtete Facebook-Seite ein.

Ab und zu kämpft Cathalin, die 19-jährige Tochter von Claudia Ronning, mit der Tücke des Objekts, sprich der Handschrift der eingesetzten 18 Schiedsrichtergespanne. Allerdings nur selten. Trotz des Stresses geht es im Herzen des Organisationsraums ruhig und gelassen vonstatten. „Wir sind ein eingespieltes Team“, erklärt Claudia Ronning zufrieden.

„Nehmt einfach die Zehn!“

Schon öffnet sich die Tür und der letzte Übernachtungsklub, SC Germania List, meldet sich durch seine Trainerin an. Claudia Ronning bespricht mit ihr die Unterkünfte. Schon geht die Tür wieder auf und ein Mädchen von der HSG Kaltenkirchen fragt nach einem Stadtplan, um die spielfreie Zeit zu überbrücken. „Nehmt einfach nur die Zehn in Richtung Gröpelingen, dann seid ihr schon in der Stadt“, lautet der Tipp.

Es sind die vielen kleinen und großen Dinge, die die Gäste des SV Werder Bremen zufrieden stellen. Susanne Kordt, die Trainerin der weiblichen C-Jugend des Rostocker HC, ist es rundum. Sie ist mit ihrem Team das erste Mal in der Partnerstadt, wie 13 andere Mannschaften – und ist begeistert. „Die drei Hallen liegen dicht beieinander, die Organisation ist großartig und alle unglaublich freundlich und hilfsbereit“, strahlt sie. Für die Ostseestädter war die Teilnahme am Weser-Cup quasi ein erster Test für die Zukunft: „Jetzt setzen wir uns zusammen und werden uns gemeinsam überlegen, welche Teams wir im nächsten Jahr anmelden.“

Ach ja, gespielt wurde natürlich auch: Die weibliche C-Jugend des SVW zeigte ausgerechnet im Finale gegen die SG Kappelwindeck/Steinbach ihre mit Abstand schwächste Turnierleistung. Nachdem die Mannschaft von Rabea Neßlage mit Leichtigkeit durch die Vorrunde und das Halbfinale spaziert war, geriet sie nach dem 4:4 von Hanna Ferber-Rahnhöfer mit 4:6 ins Hintertreffen. Zu mehr als den 5:6-Anschluss von Kathleen Hertes reichte es nicht mehr. Zum Trost gab es für die Unterlegenen Süßigkeiten und einen Gutschein bei einem Sportartikel-Händler.

Noch spannender machte es die weibliche B-Jugend der Grün-Weißen. Im Halbfinale revanchierte sich das Team von SVW-Trainerin Maike Balthazar gegen die SG Kappelwindeck/Steinbach mit einem 9:7-Erfolg für die 5:6-Vorrundenniederlage. Im Endspiel lieferten sich die Gastgeberinnen dann einen hochdramatischen Fight mit dem TSV Ratekau. Bei dem hatten die Schleswig-Holsteinerinnen im Siebenmeterstechen mit einem hauchdünnen 7:6-Erfolg das etwas glücklichere Händchen.

Einen Turniersieg heimste der Veranstalter trotzdem ein, da sich dessen männliche A-Jugend mit 8:0 Punkten ungeschlagenen vor den Polen von MKS Truso Elblag und dem Charlottenburger HC an die Tabellenspitze setzte. Eine Medaille verbuchte zu guter Letzt auch die weibliche A-Jugend des SV Werder Bremen. Sie setzte sich im Spiel um den dritten Rang mit 16:5 gegen den SC Germania List durch.

PLATZIERUNGEN IM ÜBERBLICK

Weibliche A-Jugend:

Finale: ATSV Habenhausen – MTV VJ Peine 6:5

Platz 3: SV Werder Bremen – SC Germania List 16:5

Weibliche B-Jugend:

Finale: TSV Ratekau – SV Werder Bremen 7:6 n. Siebenmeterwerfen

Platz 3: SG Kappelwindeck/Steinbach I – SG Kappelwindeck/Steinbach II 14:5

Weibliche C-Jugend:

Finale: SG Kappelwindeck/Steinbach I – SV Werder Bremen I 6:5

Platz 3: TS Schenefeld – Rostocker HC 12:5

Weibliche D-Jugend:

Finale: Auswahl Handballregion Mitte Niedersachsen – VfL Oldenburg 12:10

Platz 3: SP 92 Gdansk II – SP 92 Gdansk I 13:6

Männliche A-Jugend:

1. SV Werder Bremen 2. MKS Truso Elblag 3. Charlottenburger HC

Männliche B-Jugend:

1. MKS Truso Elblag 2. Hammer SC 2008 3. Charlottenburger HC

Männliche C-Jugend:

Finale: Charlottenburger HC – MKS Truso Elblag 9:7

Platz 3: SV Werder Bremen – Auswahl Handballregion Mitte Niedersachsen 5:0

Männliche D-Jugend:

Finale: SP 92 Gdansk I – TuS Komet Arsten I 15:3

Platz 3: SP 92 Gdansk II – TuS Komet Arsten II 8:5. (elo)

 

Weser Kurier vom 28.05.2015 von Olaf Kowalzik


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