Jul 2015 02

Gruppe „Escaflow“ des ATSV Habenhausen feiert Geburtstag mit Workshops und gewinnt „No-Hand-Battle“

Dass sich eine Tanzform über Jahrzehnte hält und weiterentwickelt, ist etwas ungewöhnlich. So ergeht es aber dem „Breakdance“, der in den 80er-Jahren von den USA nach Europa schwappte und die Jugend faszinierte. Und das so sehr, dass noch heute zu Hip-Hop-Musik getanzt wird und Wettbewerbe angeboten werden, wie sie in der Halle des ATSV Habenhausen in der Kästnerstraße 35 stattfanden.

Escaflow Tanz

SÜD / ATSV-Habenhausen Breaking Nachwuchswettbewerb (Walter Gerbracht)

Originalität, Rhythmus, Kreativität, die saubere Ausführung der Schritte und Moves sowie der Ausdruck waren die Kriterien, nach denen die fast 100 Kinder, Jugendliche und jung gebliebenen Erwachsene bei dem Nachwuchswettbewerb in Habenhausen gegeneinander und miteinander antraten. Anlass dafür war der zehnte Geburtstag der beim örtlichen Sportverein ATSV angesiedelten Gruppe „Escaflow“, in der Jugendliche unter anderem die Breakdance-Variante „Breaking“ lernen. Dabei beginnen die meisten Teilnehmer mit schnellen Bewegungen zur Hip- Hop-Musik und verlagern dann – je nach Talent – den Schwerpunkt ihres Tanzes auf den Boden. Drehungen auf dem Rücken oder auf dem Kopf, Überschläge und auch das Ausharren und Einfrieren in scheinbar unbequemen Positionen gehören mit zu dem akrobatischen Tanz. Die Aufführungen dauern manchmal nur eine Minute, bevor es langweilig für die Zuschauer wird, wird die Vorführung beendet.

„Unsere Breaking-Kurse laufen gut, die Teilnehmer kommen aus verschiedenen Stadtteilen und haben ganz unterschiedliche kulturelle Hintergründe“, freut sich Mathias Dollner, der zusammen mit seinem Trainerkollegen Timo Bölte die Kurse beim ATSV leitet. Besonders erfreulich für die Veranstalter ist, dass auch Bewohner der benachbarten Flüchtlingsunterkunft gelegentlich vorbeikommen und die Proben mit eigenen Tanzformen bereichern.

Nun haben die beiden ihr erstes größeres Event in Habenhausen organisiert. Da das Interesse an dem Tanzstil auch bundesweit groß ist, organisierten sie den unter anderem vom Beirat Obervieland und Bremen sowie vielen privaten Unternehmen aus der Szene unterstützen Wettbewerb, zu dem Teilnehmer unter anderem aus Köln, Mannheim und sogar aus Holland anreisten.

„Breaking“ und „Rocking“

Sie konnten in einem Tanzraum im Obergeschoss der Halle an zwei Workshops teilnehmen, bei denen in der Szene bekannte Persönlichkeiten ihr Wissen weitergaben. Während der Workshopleiter mit dem Künstlernamen „Swiftrock“ das „Breaking“ erklärte, befasste sich sein Kollege „Kenan“, der sein Wissen über den Tanz und die dahinterstehende Philosophie direkt in den USA, dem „Mekka der Streetdancer“, gelernt hatte, mit dem „Rocking“. „Ziel dabei ist es, den Gegner durch den akrobatischen Tanz kontaktlos zu eliminieren“, erklärte er den Teilnehmern, denen er ein hohes Maß an Konzentration und Kondition bescheinigte.

Die bewiesen sie auch bei den anschließenden „Battles“, bei der Paare und Einzelne gegeneinander antraten. Für ihre Vorführungen reichte eine nur wenige Quadratmeter große Fläche in der Sporthalle, dazu laute Musik und applaudierendes Publikum.

Dass man sich bei der Lautstärke kaum unterhalten konnte, störte die Teilnehmer wenig. „Wir verständigen uns über den Tanz und müssen nicht viel reden“, meinte Henry Tarras, einer der Kursteilnehmer, der seit drei Jahren im Verein tanzt und dafür dreimal pro Woche in die Sporthalle kommt. Für die Disco ist der Tanz natürlich nichts, schließlich braucht man die Tanzfläche fast für sich alleine. John Shawn Kück aus Woltmershausen übt sogar viermal die Woche. „Ich habe neue Figuren gesehen und muss noch etwas mehr mit den Händen arbeiten“, so die Einschätzung des Zwölfjährigen. „Früher haben die Sänger in ihren Texten weniger geflucht als heute“, weiß seine Mutter Kathrin Kück, die in ihrer Jugend auch schon zu Hip-Hop getanzt hat. Dass „Breaking“ generationsübergreifend ist, konnte auch Workshopleiter „Kenan“ bestätigen. „Ich kenne über 50-Jährige, die noch beeindruckende Figuren auf der Tanzfläche abgeben“.

In der Altersklasse sechs bis 13 siegten „B-Boy Lil‘ Jay“ und „B-Boy Nico“ aus Braunschweig. Sie überzeugten die Jury, die aus erfahrenen und bekannten Tänzern der Szene bestand. Beim zweiten Wettbewerb für Teilnehmer zwischen 14 bis 18 Jahre erreichte die Gruppe „Unerwartet Knusprig“ aus Kiel den Sieg. Besonders stolz waren die Organisatoren darauf, dass ihre Gruppe „Escaflow“ den Sieg im „No-Hand-Battle“ erreichte, bei dem die Tanzeinlagen in der ersten Runde ganz ohne Hände und danach mit nur einer Hand auf dem Boden überzeugen mussten. „Da wurden kreative Sachen gezeigt, mit denen niemand gerechnet hat und die auch für mich neu waren“, meinte Organisator Mathias Dollner, der seit 22 Jahren tanzt und für den dieses erste Event in Bremen ein großer Erfolg war. „Wir sind mega zufrieden“, freut sich der ATSV-Trainer und plant bereits eine Wiederholung im kommenden Jahr.

 

Weser Kurier vom 02.07.2015 von Jörg Teichfischer


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