Aug 2015 29

 

Hartmut Engelke mag das N-Wort nicht: Nichtabstieg – das klingt dem Sportlichen Leiter des ATSV Habenhausen viel zu negativ. Auch das Wort „Klassenerhalt“ ist beim Aufsteiger in die 3. Handball-Liga eher verpönt.

„Lass uns lieber über Punkte reden“, sagt er vor der Heimspielpremiere am Sonntag um 16 Uhr am Bunnsackerweg gegen den Leichlinger TV, einem der Favoriten auf die vorderen Plätze. 23 bis 24 Zähler sollten es beim ATSV zum Saisonende sein, was zugleich dem Durchschnittsalter des jungen Teams entspricht (23,3 Jahre). „Wenn wir die holen, dann gehen wir auch mit einem positiven Gefühl aus der Saison. Egal, auf welchem Platz wir dann stehen.“

Gemessen an seiner Abstiegssaison 2013/14, wäre das für den Bremer Traditionsverein ein Riesenerfolg, schließlich hatte er sich damals mit 9:51 Punkten im Eiltempo aus der Semi-Professionalität verabschiedet. „Damals hatten wir wohl auch einiges zu leicht genommen“, blickt ATSV-Trainer Lars Müller-Dormann selbstkritisch zurück. „Da hatten wir uns im Vorfeld bei der Mannschaft auf einige Kompromisse eingelassen.“

Die lässt er beim zweiten Drittliga-Anlauf nicht zu. Daher wurde die Trainingsintensität auf viermal die Woche erhöht. Außerdem weitete der Klub die Verletzungsprophylaxe mithilfe der Physiotherapeutin Jessica Buchholz aus. Vor allem aber sind beim Oberliga-Meister jetzt nur noch Spieler an Bord, die den hohen Trainings- und Wegeaufwand nicht scheuen. „Das Minimum pro Spieler muss bei 90 Prozent Trainingsbeteiligung liegen, sonst macht das Ganze keinen Sinn, betont „Dodo“ Müller-Dormann.

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Mirco Wähmann (am Ball) war schon in Habenhausens erster Drittliga-Saison dabei – und hofft diesmal auch auf Auswärtspunkte. (Olaf Kowalzik)

Da sich der Habenhauser Etat in etwa auf der Höhe von vor zwei Jahren bewegt, ohne dass Hartmut Engelke genaue Zahlen nennen will, können die Südbremer nur neidisch auf die Ligakonkurrenten wie Schalksmühle schauen. Der hat sich aufgrund von Verletzungsproblemen kurzerhand mit zwei Kroaten verstärkt. In Habenhausen ist man schon mit Nicht-Bremern zufrieden, denn außer dem Oldenburger Neuzugang Marc Schulat und dem Stand-by-Schlussmann Olaf Abshagen kommen alle weiteren 13 Spieler aus dem eigenen Lager. „Wir sind eben noch nicht so weit, dass wir mit Jobs und Geld um uns schmeißen können“, sagt Hartmut Engelke. „Ich kann keinem böse sein, der regelmäßig 20 Wochenstunden Zeitaufwand nicht zum Nulltarif betreiben will.“

Die Eigengewächse sind dazu bereit – hier zahlt sich die gute ATSV-Nachwuchsarbeit aus. „Diese erste Herren ist ein Pflänzchen, das man gut gießen sollte“, sagt Hartmut Engelke und würdigt den Eifer seines Teams. Talentierte Spieler wie Janik Schluroff, Mattes Helbig, Torwart Jannik Wessels oder auch der Kreisläufer Kai Rudolph rückten aus der Reserve auf. „Ich freue mich auf die dritte Liga. Dafür bin ich bereit, auch solch einen hohen Trainingsaufwand auf mich zu nehmen“, sagt er. Beim jüngsten 24:21-Testspielsieg über die HSG Barnstorf/Diepholz langte er mit sieben Treffern ordentlich zu. In der vergangenen Saison fügten die Barnstorfer dem ATSV seine vier Minuspunkte noch allein zu.

„Na klar hätte uns ein wenig mehr Verstärkung gutgetan. Dafür weisen aber die meisten Spieler im Team Drittliga-Erfahrung auf“, meint Rückraumschütze Yannick Schäfer. Er will die Saison diesmal spannender gestalten und vor allem „auswärts auch mal punkten“, was damals mit 15 Pleiten am Stück überhaupt nicht geklappt hatte. „Dann würde auch die lange Heimfahrt viel mehr Spaß machen“, sagt Rückraumspieler Mirco Wähmann. „Wir hatten eine insgesamt gute Vorbereitung, sodass ich hoffe, dass wir die Liga auch irgendwie halten können.“ Lars Müller-Dormann geht noch weiter: „Wenn wir am Ende auch nur ein Tor vor dem Drittletzten stehen, würde mir das reichen.“ Ein Vorteil in seinen Augen: Diesmal ist das Auftaktprogramm besser als damals. Dass die Hälfte der Teams (acht) der Weststaffel neu sind, darunter mit dem ATSV drei Aufsteiger, dürfte auch kein Nachteil sein auf dem Weg, die 24 Punkte zum erhofften Klassenerhalt einzufahren.

Olaf Kowalzik – Weser-Kurier vom 29.08.2015

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