Sep 2015 14

Drittliga-Handball

© Christina KuhauptEntsprechend frustriert waren die Weiß-Blauen nach der Partie, schließlich hatten sie sich gegen die bis dato ebenfalls noch punktlosen Friesländer etwas ausgerechnet. „Ich weiß auch nicht, was bei uns los ist“, sagte ATSV-Mannschaftskapitän Björn Wähmann frustriert. „Wir machen die ,big points’ nicht.“

Noch in der Halle scharte Wähmann seine Mitspieler in einer Hallenecke um sich und verpasste ihnen vor den Augen der Zuschauer einen gewaltigen Einlauf. In der Hoffnung, dass dem Neuling in der dritten Liga endlich ein Licht aufgeht. „Manchmal muss man eben auch ein paar harte Worte reden“, sagte er.

Sein Trainer Lars Müller-Dormann wies derweil unmissverständlich mit dem Zeigefinger auf die Anzeigetafel. „Da, an den 22 Toren kann man sehen, was bei uns los sind“, sagte er. „Wir brauchen viel zu viele Chancen und machen die Dinger nicht rein. Und das von der ersten Minute an.“

Stimmt! Eine höchst fahrlässige Chancenverwertung hatten sich die Bremer schon auch vor einer Woche schon beim 27:32 gegen den Spitzenreiter VfL Fredenbeck erlaubt. Jetzt knüpften sie im Abstiegsduell gegen die HSG Varel-Friesland nahtlos daran an. Bis zum 1:5 hatten die Hausherren den Gäste-Torwart Andre Seefeldt gehörig warm geworfen oder das Leder gleich am gegnerischen Gehäuse vorbei geworfen. Die Torgefährlichkeit auf der rechten Angriffsseite tendierte gegen Null, außerdem versuchte der Gastgeber sein Heil in der Anfangsphase zu oft hilflos über den Kreis. Das Leder landete dabei oft beim Gegner oder im Aus.

Nach zehneinhalb Minuten riss Lars Müller-Dormann der Geduldsfaden. Er griff zu einer Auszeit und schickte Mark Schulat aufs Feld. Der Ballermann im Rückraum dankte es dem Trainer mit drei Toren zum 5:7-Anschluss. Prompt machte er im Überschwang der Gefühle entlang des Publikums mit ausgebreiteten Armen den Flieger. Es war eher ein Ikarus, denn anschließend ordnete auch er sich artig in das Spiel der vielen Fehler ein.

„Bei uns ist der Wurm drin“, sagte Müller-Dormann. Und die Jagd nach dem Ausgleich kostete zu viele Nerven und Kraft. Hauke Marien gelang zwar mit einem angedrehten Wurf von der rechten Flanke der erstmalige Ausgleich (15:15/40.), zwei Minuten später bediente er Yannick Schäfer mit einer Torvorlage zum 16:16 (42.). Doch schon unmittelbar danach vergab er völlig frei stehend die erste Führungschance.

Als Marcel Fischer dann auch noch in doppelter Überzahl ein übermäßiger Hüfteinsatz am Kreis abgepfiffen wurde und Mirco Wähmann den Ball im Spiel Sechs-gegen-Fünf weit übers Tor warf, war es um die Hausherren geschehen. Sie konnten nicht von den guten Paraden ihres Schlussmannes Olaf Abshagen profitieren und fielen auf 16:18 zurück. Beim 20:25-Rückstand war das Spiel entschieden.

Das Wiedersehen mit ihrem früheren Mitspieler Malvin Patzack (vier Tore) hatte ein enttäuschendes Ende genommen. Ärgerlich war auch der Ausfall von Tim Steghofer, der mit einem Muskelfaserriss im bandagierten Oberschenkel ins Spiel gegangen und in der zweiten Hälfte auch noch umknickte.

ATSV Habenhausen: Abshagen, Voß; Helbig, Fischer (2), B. Wähmann (4/4), Rudolph, Schäfer (4), Meier (1), Schluroff, M. Wähmann (5/2), Schulat (3), H. Marien (2), Müller (1), Steghofer

Von Olaf Kowalzik – Weser-Kurier vom 14.09.15

 


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