Nov 2015 26

Beim Habenhauser Derbysieg glänzen Bryana Newbern und die Arsterin Swantje Boettcher mit klasse Reflexen
Als hätte Corinna Wannmacher an ihrem 19. Hochzeitstag nicht schon genug Freude gehabt – Den Derbysieg über den TuS Komet Arsten packten die Oberliga-Handballerinnen des ATSV Habenhausen ihrer Trainerin gleich noch obendrauf. Der fiel nach einer knappen ersten Hälfte mit dem 22:16 (12:10)-Endstand sogar noch recht überlegen aus. Während sich die ATSV-Trainerin über das gelungene Geschenk freuen konnte, war der Katzenjammer bei den Gastgeberinnen einen Tag nach ihrem Vereinsball groß. „Irgendetwas muss ich in der Halbzeitbesprechung ständig falsch machen, denn meine Mannschaft kommt nach einer guten ersten Hälfte nicht zum ersten Mal schlecht aus der Kabine raus“, sagte der Arster Trainer Marc Winter ratlos. „Das war wie abgeschnitten.“

Newbern vor Parade © Olaf Kowalzik

Habenhausen Torfrau Bryana Newbern zog ihren ehemaligen Mitspielerinnen von Komet Arsten im Derby den Nerv. (Olaf Kowalzik)

Tatsächlich wurde es in der klasse Kulisse von rund 200 absolut fair anfeuernden Zuschauern merklich stiller, als der Favorit aus Habenhausen nach dem 13:11-Vorsprung blitzschnell seine Konterstärke auspackte. Die Ex-Arsterin Bryana Newbern, jetzt im Tor des Stadtrivalen jenseits der Autobahnbrücke aktiv, schleuderte das Leder weit nach vorne auf Dörte Kalkowski (2) und Sabine Peek, die zum 16:11 trafen.

„Damit hatten wir den Gastgeberinnen den entscheidenden Stoß versetzt“, freute sich Wannmacher über die beiden hart erkämpften Punkte. Das engagiert geführte Duell hatte bei ihrer Mannschaft aber auch einige Spuren hinterlassen: Für Christin Lange war bereits nach wenigen Minuten Schluss, als sie im Angriff einen Finger völlig unbeabsichtigt ins Auge abbekam. Glück im Unglück für sie: Es sind bei ihr wenigstens keine Adern geplatzt. Anna-Lisa Behnken musste den Abend wiederum mit einer Gehirnerschütterung im Krankenhaus verbringen.

„Es tat zwar höllisch weh, aber trotzdem haben sich meine Spielerinnen davon nicht beeindrucken lassen und sind immer wieder auf die gegnerische Deckung draufgegangen“, sah die ATSV-Trainerin die Vorzüge ihrer Mannschaft im größeren Derby-Feeling und dem höheren Engagement. Ihr Gegenüber Marc Winter bedauerte dagegen, dass sich seine Mannschaft im Angriff „nicht das Selbstbewusstsein aus der guten Deckungsleistung gezogen hat.“

Für das Derby hatte er erneut Friederike Folda und Birte Kruse reaktiviert, außerdem halfen aus der Reserve Janina Brünjes und Esther Batke aus, sodass die Bank der Gastgeberinnen schon fast ungewohnt üppig bestückt war. Geholfen hatte es ihnen trotzdem nicht. „Dass die Vier mit der Mannschaft nicht richtig eingespielt sind, ist natürlich völlig normal“, wusste Marc Winter um die Schwachstelle dieser Konstellation. Dafür dominierten in beiden Mannschaften die Torfrauen: Bei Arsten Swantje Boettcher mit klasse Reflexen, bei Habenhausen zog Bryana Newbern ihren ehemaligen Mitspielerinnen den Nerv. Letztendlich sprach jedoch vor allem die homogenere Teamleistung für die Gäste, die über 60 Minuten eine starke Verteidigung auf die Beine stellten und sich selbst den abprallenden Bällen erfolgreich hinterher schmissen und diese eroberten.

„Nur 16 Gegentore zu kassieren, das ist schon was“, lobte Corinna Wannmacher zumindest. „Meine Mannschaft hat viel Kämpferherz gezeigt.“ Bis zum 8:8 verlief das Nachbarschaftsduell ausgeglichen, danach konnte sich der ATSV Habenhausen bis zum Pausenpfiff auf zwei Tore absetzen. Ein Ruhekissen war das bis dahin aber beileibe noch nicht. Das sollte sich mit dem Habenhauser Blitzstart in die zweite Hälfte aber schnell ändern. Zehn Minuten vor Schluss ließ Corinna Wannmacher dann im Tor die junge Susanne Preuß ran. Die 17-jährige Habenhauser Keeperin machte ihre Sache gut und vereitelte in der Schlusssekunde sogar noch einen Arster Strafwurf. Insgesamt hatten die Gastgeberinnen gleich drei Siebenmeter ausgelassen.

„Die Niederlage gegen Habenhausen ist nicht so schlimm, viel mehr tut uns die vorangegangene Niederlage in Friedrichsfehn weh“, sagte Marc Winter. Seine Mannschaft ist nach vier Niederlagen am Stück mit 2:14 Zählern auf den vorletzten Tabellenplatz abgerutscht. Am Sonnabend droht um 19 mit dem Gastspiel Uhr beim Tabellenzweiten VfL Stade die Fortsetzung dieser schwarzen Serie.

Der ATSV Habenhausen kann sich dagegen mit 10:6 Punkten und dem siebten Rang deutlich entspannter zeigen und den Arsterinnen zum Ausgleich wenigstens am Sonntag um 15.30 Uhr am Bunnsackerweg die Schützenhilfe gegen das Schlusslicht SV Vorwärts Nordhorn anbieten.

TuS Komet Arsten: Boettcher; Jarzembowski (1), Tuleweit (2), Mücke (1), Nübel (1), Batke, Brünjes, Rave (1), Wefer (1), Habekost (4/2), Kahle (2), Folda (1), Kruse (2)

ATSV Habenhausen: Newbern, Preuß; I. Klün (7/4), Köster (3/1), Lange, Peek (4), Behnken, Leder (1), Abbes (1), Schiege, Kalkowski (6/1).

Von Olaf Kowalzik – Weser-Kurier vom 26.11.15


Impressum | Powered by Testroom