Jan 2016 14

Handballer des ATSV Habenhausen

Im Internet sind die Drittliga-Handballer des ATSV Habenhausen ein kleiner Hit. 354 Mal wurde das Video ihres Gastspiels beim Soester TV allein auf Facebook geteilt. Sie schafften es damit auf die Seite der DKB-Handball-Bundesliga. Ja sogar in Argentinien, Mexiko und Japan waren ihre unfreiwilligen kuriosen letzten Spielsekunden zu sehen.

Handball © Olaf Kowalzik

Puh, dritte Liga, harte Liga: Mark Schulat (von links), Ole Müller sowie Malte Helbig und ihre Teamkollegen liefern durchaus ordentlich Auftritte ab, die Konkurrenz ist aber zu stark und finanziell mächtiger. (Olaf Kowalzik)

Es kommt eben selbst im Handball äußerst selten vor, dass sich nur noch ein übrig gebliebener Feldspieler der sechsfachen Übermacht des Gegners stellen muss. In Soest hatten gleich fünf Habenhauser die Strafbank gedrückt, sodass für 41 Sekunden nur noch der manngedeckte Rückraumschütze Yannick Schäfer und sein Torwart Marius Voß die Abteilung Attacke bildeten. Blöderweise ging die Partie durch die vielen Zeitstrafen auch noch mit 23:26 verloren.

Für solch ein Aufsehen sorgt der Wiederaufsteiger in der dritten Liga West sportlich nicht. Bei 14 noch auszutragenden Spielen scheint für ihn der Schritt zum Klassenerhalt auf die sieben Punkte entfernten rettenden Plätze reine Utopie zu sein. Trotzdem nimmt man beim ATSV Habenhausen weder das A-Wort wie Abstieg noch das O-Wort wie Oberliga in den Mund. „Solange rechnerisch noch alles möglich ist, rede ich nicht davon“, sagt ATSV-Trainer Lars Müller-Dormann.

Wenigstens sind die jüngsten Ergebnisse des Aufsteigers erheblich knapper ausgefallen als anfangs, was von einer positiven Entwicklung des Teams zeugt. Bei der aktuellen Nummer eins im Bremer Männerhandball hatte man sowieso stets darauf hingewiesen, dass der Wiederaufstieg mit dem insgeheim erhofften Klassenerhalt eine „Monsteraufgabe“ (O-Ton Lars Müller-Dormann) sei. „Es ist jetzt zumindest allen klar, dass wir in dieser Struktur nur schwerlich mehr erreichen können“, betont der Sportliche Leiter Hartmut Engelke. Will heißen: Solange der ATSV Habenhausen keine Spieler bezahlt oder sich personell nichts Gravierendes ändert, wird er den Fahrstuhl zur dritten Liga rauf- und wieder runterfahren.

„Dodo“ Müller-Dormann weist jedoch darauf hin, dass seine Mannschaft mit einem Durchschnittsalter von 23 Jahren noch reichlich Zukunftspotenzial aufweist. „Ich selbst habe damals mit 28 Jahren noch einmal einen richtigen Leistungssprung gemacht“, sagt der Mann, der unter anderem beim damaligen Zweitligisten TV Grambke und viele Jahre auch in Habenhausen gespielt hat.

Noch sind viele seiner Spieler nicht so weit. Die fehlende Erfahrung ist ihr unübersehbares Manko. „Natürlich können wir uns darüber aufregen, dass einige Gegner am Boden liegen bleiben und jammern – damit holen sie aber auch die uns fehlenden Punkte“, sagt der ATSV-Coach und meint damit die fehlende Cleverness.

Wie die Zukunft der Mannschaft aussieht, regelt sich in den kommenden Wochen. „Die Gespräche werden demnächst geführt“, sagt Hartmut Engelke, der sich mit Prognosen bedeckt hält. Wenn es nach ihm ginge, dann würde er auch gerne am Trainer festhalten.

Ein Spieler scheint damit allerdings nicht einverstanden zu sein: Glaubt man dem Szenegeflüster, dann gab es Unstimmigkeiten zwischen dem Allrounder Tim Steghofer, seinem Trainer und der Sportlichen Leitung. Tim Steghofer hat mittlerweile komplett aufgehört. „Das war seine Entscheidung, deshalb kommentiere ich sie nicht“, blockt Lars Müller-Dormann Nachfragen ab. Wie auch Tim Steghofer selbst keine Stellungnahme abgeben wollte. Mit Lukas Ole Müller verfügen die Südbremer immerhin über einen guten Linksaußen, der gerade aus dem Schatten von Steghofer heraustritt. „Tim ist aber natürlich noch einen Tick unberechenbarer als Lukas Ole“, gibt Lars Müller-Dormann zu.

Am Sonntag wartet auf den ATSV Habenhausen um 16 Uhr eine Herkulesaufgabe: Der Spitzenreiter VfL Fredenbeck kommt an den Bunnsackerweg. 100 Karten haben die Niedersachsen bereits im Vorfeld geordert, ihre euphorisierten Fans werden mit Bussen und Kleinwagen anreisen. „Fredenbeck liegt uns, wir wollen den VfL so lange wie möglich ärgern“, sagt Lars Müller-Dormann. Das Hinspiel hatten die Bremer erst in der Schlussphase etwas unglücklich mit 27:32 verloren. Außerdem mogelte sich Fredenbeck im ersten Habenhauser Drittliga-Jahr vor gut zwei Jahren erst in letzter Sekunde in der Hinni-Schwenker-Halle zum 24:23-Erfolg. Das lässt auf eine spannende Neuauflage hoffen.

Von Olaf Kowalzik – Weser Kurier vom 14.01.2016


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