Apr 2016 25

Handball-Oberliga: Knapper 18:16-Sieg im schwachen Derby gegen Aufsteiger SG Findorff

„Glück gehabt“ – Anna-Lisa-Behnken, die Rückraumspielerin des ATSV Habenhausen, atmete nach dem 18:16 (9:9)-Derbysieg in der Handball-Oberliga der Frauen über die SG Findorff ganz tief durch. Ausgerechnet sie hatte ihre Mannschaft 15 Sekunden vor Schluss in den siebten Derby-Himmel befördert. Die ganze Zeit hatte die ATSV-Spielmacherin mit der guten Findorffer Torfrau Magdalena Riecken auf dem Kriegsfuß gestanden. Das letzte Mal knapp eine Minute vor Ultimo, als sie an Riecken scheiterte und Findorffs Alicia Lenkeit den Ball irgendwie an Habenhausens starker Torsteherin Bryana Newbern vorbei zum 16:17-Anschluss ins Netz mogelte.

handball habenhausen anna-lisa behnken © Olaf Kowalzik

Hier ist für Anna-Lisa Behnken (Mitte) kein Durchkommen – das erlösende Habenhauser Siegtor gelang ihr dennoch. (Olaf Kowalzik)

Plötzlich keimte bei den Findorfferinnen noch einmal die Hoffnung auf eine Punkteteilung auf. Sie gingen zur offenen Feldabwehr über und schienen sich den Ball ein weiteres Mal erobern zu können, als jetzt auch noch Dörte Kalkowski an Magdalena Riecken scheiterte. Doch der Ball sprang zurück an den Wurfkreis, an dem bereits Anna-Lisa Behnken lauerte. Und diesmal machte sie es besser. Sie schnappte zu und ließ der Findorffer Torsteherin mit einem platzierten Wurf rechts unten nicht den Hauch einer Chance.

„Ein bisschen bange war mir nach meinen vorherigen Fehlwürfen ja schon“, gestand Anna Behnken im Nachhinein. „Dann habe ich einfach draufgeworfen“, lachte sie mittlerweile deutlich entspannter. Das Derby war damit entschieden und der ATSV Habenhausen hatte den zweiten Platz in Bremen hinter dem Zweitligisten SV Werder Bremen verteidigt. Drei Spiele vor dem Saisonende rangieren sie vier Punkte vor den Findorfferinnen, die mit 22:24 Punkten auf den siebten Platz abgerutscht sind. Sie können sich immerhin noch mit dem Titel des besten Aufsteigers der Saison trösten.

„Das war nicht unser Wochenende“, sagte die SG-Trainerin Annika Bartels, deren Mannschaft bereits am Freitagabend beim VfL Oldenburg III eine 10:29-Klatsche kassiert hatte. Da sich die Niedersachsen jedoch im Abstiegskampf mit Kaderspielerinnen aus der Bundesliga verstärkt hatten, juckte das die Gäste nur wenig. „Gegenüber dem Hinspiel war Oldenburg nur auf fünf Positionen gleich geblieben“, hatte Annika Bartels nachgezählt.

Zurück zum Derby, in dem sich die Unparteiischen aus Friedrichsfehn/Petersfehn dem schwachen Niveau mehr als nur angepasst hatten. Ihre Entscheidungen lösten hüben wie drüben reihenweise Kopfschütteln aus. „Sie haben das Spiel in der zweiten Hälfte gegen uns entschieden“, sagte Annika Bartels. Habenhausens Trainerin Corinna Wannmacher kommentierte deren Leistung nicht. Sie freute sich über die errungenen Zähler und fühlte sich im Ergebnis an die neunziger Jahre erinnert. „Ein gutes Pferd springt nicht höher, als es muss“, rettete sie sich in ein altbekanntes Sprichwort. „Trotzdem wäre es mir schon lieber gewesen, wenn wir noch einen Tick höher gehüpft wären.“

Sei‘s drum: Der Spielverlauf gehörte zumeist den Südbremerinnen, die im ersten Durchgang über 3:1 überwiegend am Drücker waren und nur beim 4:4, 8:8 und dem 9:9-Pausenstand den Ausgleich zuließen. Nach dem Seitenwechsel erhöhten Christine Köster, Ann-Kathrin Abbes und Dörte Kalkowski die Glücksgefühle mit den Treffern zum 12:9 (35.), ohne dass das die nötige Ruhe ins Spiel brachte. Die SG Findorff gab nicht auf und drehte den Spieß durch Alicia Lenkeit erstmals zum 13:12 um, ohne selbst davon profitieren zu können (46.). Am Ende entschied in der hektischen und zerfahren Partie die etwas geringere Fehlerquote das Derby zugunsten des ATSV, die sich damit für die 20:24-Hinspielniederlage revanchierte.

Weser Kurier vom 25.04.2016 von Olaf Kowalzik


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