Mai 2016 02


JAME
– Gib‘ Gewalt keine Chance

SV-JensDonat042016_24Zimperlich durfte Frau in diesem Kurs nicht sein. An drei Samstagen lernten 18 Frauen sich selbst zu verteidigen. Dieser Kurs war speziell an Frauen ab 16 Jahre bis Mitte 50 gerichtet, und so fanden sich die Mädchen der Volleyball-Mannschaft sowie acht Ü40 Frauen zusammen. Der Trainer Jens Donat hatte sich professionelle Unterstützung aus seinem AKS-Kurs ( American Karate Systems) geholt und los ging’s.  Zu Beginn jeder Stunde gab es ein intensives Aufwärmtraining, in dem Reaktion, Schnelligkeit, Koordination und Muskeln trainiert wurden. Hier war Kondition gefordert und so manch einer merkte: Oh, es gibt auch noch andere Muskeln als jene, die beim Volleyball, Tanzen oder Radfahren regelmäßig beansprucht werden – was wir auch am nächsten Tag spüren sollten.

Im Ernstfall geht man auch mal zu Boden und dann ist die richtige Technik gefragt: Wie stütze ich mich beim Fallen richtig ab? Niemals mit den Händen abstützen, sondern immer auf die Unterarme und flachen Hände fallen! Dabei das Ausatmen nicht vergessen! Auch das Abrollen wurde geübt. Wann wurde das zuletzt gemacht?! Steife Glieder wollen geschmeidig gemacht werden, erst dann wird der Boden dein Freund.  Jens hüpfte wie ein Flummi, aber was so einfach aussieht bedarf langjähriger Übung und daher sah es bei uns Frauen bei weitem nicht so geschmeidig aus wie bei Jens.

Jede Frau bestimmte zu Beginn des Trainings selbst, ob sie nur mit einer Frau oder auch mit einem Mann üben wollte. Wie hart sie angegangen werden wollte, wurde mit den Stufen 1 bis 10 festgelegt. Die erste Lektion, die wir lernten, lautete: Sei aufmerksam und lerne die Situation richtig einzuschätzen. Wenn du merkst, dass dir jemand zu nahe kommt, sprich‘ ihn laut an und mache klar, dass du nichts von ihm willst. Dabei ist die Form der Anrede wichtig. Eine zudringliche fremde Person sollte immer  mit „Sie“ angesprochen werden. Nur so erkennen Dritte eine Notsituation und tun sie nicht als vertrauliches Gerangel ab. Geht kein Weg an der körperlichen Auseinandersetzung vorbei, muss zu härteren Bandagen gegriffen werden. Es ging ganz einfach mit Schubsen los. Hier war die Körperdeckung gefragt.  Danach zeigte Jens eine Technik, mit der ein Angreifer ohne großen Aufwand zu Boden gebracht werden kann. Es wurden noch weitere Handgriffe gezeigt, die der Abwehr von Kontrahenten dienen.  Wohl dem, der nur die Stufe 5 gewählt hatte und nicht die Stufe 10!

Am Ende des ersten Samstags ging Jens noch kurz auf die rechtliche Situation ein, damit aus dem Opfer kein Täter wird. Theaterspielen und Verteidigen sind erlaubt, niemals aber Rache üben.

An diesem Wochenende gab es fürchterlichen Muskelkater in den Oberarmen, der bis Dienstag anhalten sollte. So war es am zweiten Samstag hinter vorgehaltener Hand zu hören. Auch der zweite Samstag begann mit intensivem Aufwärmen und mit Fallübungen.  Danach wurden Schlagtechniken mit der flachen Hand, der Handseite und dem Unterarm geübt. Dabei wurde kräftig auf eine Pratze (Schlagpolster) eingeschlagen. Auch hier gilt:  Ausatmen nicht vergessen und sich wieder  erinnern. ‚Wie befreie ich mich aus einer Umklammerung, wie nehme ich meinen Angreifer in den Schwitzkasten, wo sind die empfindlichen Stellen?‘ Der Mann hat mehr empfindliche Stellen als Frau ahnt. Jens hat sie uns gezeigt!

Wer annahm, schlimmer könne es nicht kommen, der wurde am dritten und letzten Samstag dieses Kurses eines Besseren belehrt. Jens hatte uns gebeten, einen beliebigen Alltagsgegenstand zur Selbstverteidigung mitzubringen. Bevor die Schirme und Handtaschen zum Einsatz kamen, wurden wieder Schlagtechniken geübt. Dieses Mal weniger mit der Hand, dafür mehr mit dem Unterschenkel. Es wurde auf eine  ca. 40 cm x 80 cm große „Matratze“ eingetreten und geboxt. Wer konnte, drehte sich nach dem Boxen um die eigene Achse und trat mit dem Bein noch einmal nach. Alles eine Sache der Körperbeherrschung, die einfacher aussieht als sie tatsächlich ist.  Der Boden war ja inzwischen unser „Freund“ geworden, nun sollten wir Freundschaft mit der Wand schließen. Wir wurden an die Wand gestoßen und es sollte geübt werden,  möglichst viel Gewicht abzufedern und nicht mit dem Kopf gegen die Wand zu schlagen.  Im nächsten Schritt sollte ausprobiert werden, sich dem festen Griff des Angreifers zu entledigen.  Zum Schluss zeigte Jens die Tricks mit dem Schirm oder der Handtasche. An dieser Stelle möchte ich auf das  schauspielerische Talent von Jens hinweisen. Seine Auftritte sorgten immer wieder für  große Erheiterung. Für Erheiterung sorgte auch das Hundeabwehrspray. Es war für diesen Zweck mit Wasser gefüllt worden und wer Lust hatte, durfte versuchen, einen gezielten Wasserstrahl abzugeben.

Trotz der blauen Flecken hatten alle großen Spaß und es wurde viel gelacht.

Eigentlich wusste vor dem Kurs niemand so recht, was ihn erwarten würde. Zwei Teilnehmerinnen hatten den Kurs von ihren Eltern zu Ostern geschenkt bekommen, die Volleyballtrainerin hatte ihre Spielerinnen auf den Kurs aufmerksam gemacht, eine Mutter wurde mit ins Boot geholt und Freundinnen meldeten sich zu diesem Selbstverteidigungskurs an. Vielleicht waren es die Ereignisse der Silvesternacht in Köln, vielleicht die Negativschlagzeilen in der Presse über Gewalt gegen Frauen, die dazu bewogen, mal an einem Selbstverteidigungskurs teilzunehmen. Allen ist klar: Dieses war nur eine Einführung in die Selbstverteidigung. Um für den Ernstfall gerüstet zu sein, bedarf es regelmäßigen Trainings. Haltet Körper und Geist fit und denkt immer an euren Kopf! Bleibt wachsam und behaltet kritische Situationen im Blick, um möglichst vorher das Weite ergreifen zu können! Lasst keine  Gewalt gegen euch zu!

Unisono fanden alle den Kurs super. Ein großer Dank und großes Lob an Jens und sein Team!

Wer auch mal an einem Selbstverteidigungskurs teilnehmen möchte, kann gerne beim regelmäßigen   AKS-Training des Vereins (nur für Mitglieder) oder bei der Selbstverteidigung für Senioren (Kurs für Mitglieder und Nichtmitglieder) mitmachen. Wer an einem Workshop für Männer / Frauen/ Familien – in welcher Konstellation auch immer – teilnehmen möchte, bekunde sein Interesse bitte in der Geschäftsstelle. Wir sind für Vorschläge dankbar und nehmen das Thema gerne wieder auf.

Christel

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