Sep 2016 01

HC Bremen, Habenhausen und HSG Schwanewede wollen enger zusammenarbeiten / Handball-Derby in Halle 7

Bremen. Der Handballsport im Amateurbereich hat sich in den vergangenen 15 Jahren – wie auch in anderen Sportarten ebenfalls – gewaltig gewandelt. Vor diesem Hintergrund haben Vertreter der Handballsparten der beiden niedersächsischen Vereine TV Schwanewede und dem TSV Neuenkirchen vor vielen Jahren schon erkannt, dass ein gemeinsamer Spielbetrieb für beide Seiten, sowohl wirtschaftlich und personell, aber vor allen Dingen sportlich gesehen, eine optimale Lösung sein würde. Seit dieser Fusion hat die Spielgemeinschaft HSG Schwanewede/Neuenkirchen zahlreiche Größen des Handballs hervorgebracht, bei den Frauen avancierte Rückraumspielerin Nina Wörz ebenso zu einer Nationalspielerin wie ihr männliches Pendant Finn Lemke.

Diese Bündelung soll nun auch den Bremer Handballsport aus seinem Dornröschenschlaf wecken. Gemeinsam mit der SG HC Bremen/Hastedt sowie dem ATSV Habenhausen soll über den Breitensport wieder eine Basis geschaffen werden, auf der sich der Leistungs-Handball weiter entwickeln kann – und in Zukunft wieder den Sprung in die Bundesliga schafft. „Bremen ist eine Sport-Hochburg“, konstatiert der erfahrene HSG-Trainer Andreas Szwalkiewicz, während er gemeinsam mit Thomas Gerster (HC Bremen) und Lars Müller-Dormann (ATSV Habenhausen) vor die Presse tritt. Ein erster Schritt in diese Richtung soll innerhalb der in Kürze beginnenden Saison in der Handball-Oberliga Nordsee der Männer erfolgen. Für den Zweiten Weihnachtsfeiertag (26. Dezember, 15.30 Uhr) haben sich die Verantwortlichen des HC Bremen, der HSG und des Bremer Handballverbands darauf verständigt, das Spiel zwischen den „Schwänen“ und dem HC Bremen in Halle 7 auf der Bremer Bürgerweide auszutragen. „Derbys sind immer ein Zuschauermagnet“, erklärt Gerster diesen ungewöhnlichen Schritt, „wir erhoffen uns davon eine mediale Präsenz, die weit über die Landesgrenzen hinaus Wirkung zeigt.“ Eigens dafür haben die „Schwäne“ auf ihr eigentliches Heimrecht verzichtet.

Wollen mehr Öffentlichkeit für den Handballsport: Andreas Szwalkiewicz, Thomas Gerster und Lars Müller-Dormann (von links). (Christian Markwort)

Wollen mehr Öffentlichkeit für den Handballsport: Andreas Szwalkiewicz, Thomas Gerster und Lars Müller-Dormann (von links). (Christian Markwort)

Trotz aller sportlicher Rivalität sei der einigende Gedanke bei den drei Verantwortlichen die treibende Kraft. „Wir bekämpfen uns auf dem Feld mit allen erlaubten Mitteln“, erklärt Thomas Gerster, verantwortlich für die Handballabteilung des HC Bremen. „Es ist mein Traum, dass Bremen einmal Standort für einen Herren-Bundesligisten wird“, erklärt Gerster, der sich seit Jahren erfolgreich um neue Sponsoren für seinen Verein – im A-Jugendbereich bereits seit Jahren als Bundesligist erfolgreich – kümmert. Abseits der sportlichen Konkurrenz müsse der Bremer Handball allerdings wieder enger zusammen arbeiten, betont auch Lars Müller Dormann, „das ist schließlich im Sinne aller Handballerinnen und Handballer in Bremen“.

Ein Hauptgrund für den „Dornröschenschlaf“, in dem sich der Bremer Handballsport seit mehreren Jahren befindet, sehen die drei Verantwortlichen neben dem gesellschaftlichen Wandel auch in den strukturellen Rahmenbedingungen im kleinsten Bundesland: „Wir brauchen wieder mehr öffentliches Interesse“, so Gerster, Handball steht in Bremen deutlich hinter dem Fußball zurück.“ Gerade Werder Bremen würde in nahezu allen Sportbereichen „die Kinder und Jugendlichen abgrasen“, sind die drei umtriebigen Verantwortlichen überzeugt. „Werder hat natürlich seine Berechtigung“, attestiert Gerster, „aber die kleineren Vereine leiden doch schon gewaltig darunter.“ Zudem sei es einfacher, Fußball auf der Wiese zu spielen als Handball: „Man braucht zwei Tore und möglichst auch einen Kreis“, zeigt Müller-Dormann ein wichtiges Defizit auf. Zum Fußball reiche es, zwei Tore auf der Wiese aus Taschen zu bauen, sich einen Ball zu schnappen – und los geht‘s. „Genau diesen einfachen Zugang müssen wir auch im Handball hinbekommen“, betont Gerster, „nur so kann eine konsequente Sichtung und später auch Förderung von talentiertem Nachwuchs gelingen.“

An Kooperationen mit Handball-Bundesligisten zu denken – die HSG Schwanewede/Neuenkirchen praktiziert dieses Modell seit Längerem mit dem TBV Lemgo, in dessen Leistungszentrum sich auch Finn Lemke zum gestandenen Nationalspieler entwickelte – sei es allerdings noch zu früh, mahnt Müller-Dormann vor übereiltem Aktionismus. „Den Grundstein müssen wir schon in den Grundschulen legen“, verdeutlicht er, „auf dieser Basis können wir dann die nächsten Etagen aufbauen.“ „Sponsoren suchen in der Regel nach Vereinen mit nachhaltigen Erfolg“, weiß nicht nur Thomas Gerster. „Und für diesen Erfolg müssen sämtliche Bremer Handballerinnen und Handballer möglichst an einem Strang ziehen.“

„Wir brauchen wieder mehr öffentliches Interesse.“ Thomas Gerster

Von Christian Markwort – Weser-Kurier vom 01.09.2016


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