Nov 2016 26
Im Spitzenspiel der Handball-Oberliga treffen Habenhausen und die SG HC Bremen/Hastedt aufeinander

Schluroff im Sprung © Olaf Kowalzik

Viel Lust auf die SG HC Bremen/Hastedt: Janik Schluroff (Habenhausen). (Olaf Kowalzik)

Viel Lust auf die SG HC Bremen/Hastedt: Janik Schluroff (Habenhausen). (Olaf Kowalzik)

„Allein für dieses Derby lohnt sich der Wechsel“, freut sich Marc Winter auf das Spitzenspiel. „Das Spiel elektrisiert alle, führt zu einer vollen Halle und wird eine geile Geschichte.“ Der neue Trainer Winter tut dem ATSV gut: Der Coach des TuS Komet Arsten war nach dem Abstieg seiner Oberliga-Frauen über die Autobahnbrücke zum verpönten Ortsrivalen gewechselt und fühlt sich dort auf Anhieb pudelwohl.
„Wir ergänzen uns gut“, bestätigt Lars Müller-Dormann, der sich das Traineramt in Habenhausen mit Winter gleichberechtigt teilt. „Ich bin eher der ruhige Typ, Marc der impulsivere.“ Die Mischung gefällt den Vereinsoberen so gut, dass der zweite Abteilungsvorsitzende Frank Meier und der HSM-Marketingchef Marc Fröhlich am Dienstagabend vor das Team traten, um die Vertragsverlängerung des Trainergespanns um ein Jahr zu verkünden. Das geschah bei den Südbremern so früh wie seit einer gefühlten Ewigkeit nicht.

Franke mit Ball, Blick nach links © Olaf Kowalzik

Viel Lust auf den ATSV Habenhausen: Marten Franke (SG HC Bremen/Hastedt). (Olaf Kowalzik)

„Mit diesen vorzeitigen Fakten können wir uns eher um leistungsstarke Neuzugänge kümmern“, erzählt Müller-Dormann. „Und das ist bereits angelaufen“, ergänzt Winter. Der ATSV hat damit zweifelsohne aus den Schwächen der Vorjahre gelernt, als er sich erst zu Beginn des neuen Jahres um die Trainerpersonalie gekümmert hatte und sich danach zu spät auf den abgegrasten Spielermarkt begab. Bei acht, neun festen Feldspielern hat der Ligaprimus aber auch eine Blutauffrischung im Kader unbedingt nötig.

„Jetzt können sich die potenziellen Neuzugänge schon in der Weihnachtszeit Gedanken über unser sportliches Konzept machen, da wir ja mit Geld nicht punkten können“, sagt Müller-Dormann. Dreimal ist Bremer Recht, könnte im Konzept stehen, denn nach zwei Abstiegen strebt der ATSV zum dritten Mal in Folge den sofortigen Drittligaaufstieg an. „Sollten wir Meister werden, dann werden wir den Aufstieg nicht verweigern“, sagt Lars Müller-Dormann.

Lars Müller-Dormann seitlich © Olaf Kowalzik

Lars Müller-Dormann seitlich (Olaf Kowalzik)

 

Die frühzeitig angesprochenen Neuzugänge sollen dann auch endlich für den Klassenerhalt in der dritten Liga sorgen – die Spieler des Tabellenführers brennen längst darauf. „Und wenn es in dieser Saison nicht zum Aufstieg reichen sollte, dann versuchen wir es ein Jahr später gleich wieder“, lautet die Kampfansage von Marc Winter.

Aussagen, über die sich Thomas Gerster, Leiter des Projekts SG HC Bremen/Hastedt, freut: „Damit steht der ATSV im Gegensatz zu uns unter Erfolgsdruck.“ „Na ja“, winkt Müller-Dormann ab, „wir sind Drittligaabsteiger und der HC Oberligaaufsteiger, wir sind Erster und der HC Zweiter, außerdem spielen wir zu Hause: Da sind wir sowieso automatisch der Favorit.“ Der ATSV-Frontmann baut darauf, dass seine Mannschaft nach sieben Siegen in Folge vor Selbstvertrauen strotzt.

Franke beim Sprungwurf © Olaf Kowalzik

Marten Franke (Olaf Kowalzik)

Am Sonntag wird es auch interessant, weil beim Gastgeber bereits Janik Schluroff und der starke Linkshänder Felix Meier für den HC Bremen gespielt haben. Dazu kommt der A-Jugendliche Roberto Cagliani, der es nicht in den Bundesligakader der HC-Junioren geschafft hat, dafür aber bei den ATSV-Männern einen soliden Part spielt.

Pikanter ist die Besetzung des Tabellenzweiten aus Hastedt, und das nicht nur wegen Yannick Schäfer. Thomas Gerster lenkte einst im Habenhauser Vorstand zwölf Jahre die Geschicke des ersten Männerteams, bevor er nach einer Pause ausgerechnet den Lokalrivalen aus Hastedt mit fünf Aufstiegen binnen sechs Jahren zum ernstzunehmenden Konkurrenten aufbaute. Der neue SG-Trainer Barna-Zsolt Akascos war außerdem der erste Profi, der 1997 nach dem Regionalliga-Aufstieg in Habenhausen anheuerte. Dort spielte er auf Halbrechts drei Jahre neben dem Mittelangreifer Lars Müller-Dormann. „Das war eine sehr schöne Zeit, ich habe immer noch Freunde dort“, sagt Akascos.

Franke beim Strafwurf © Olaf Kowalzik

Franke beim Strafwurf (Olaf Kowalzik)

Akascos besitzt bei der SG HC Bremen/Hastedt einen unbefristeten Vertrag, der sich regelmäßig verlängert, wenn weder der Verein noch der Ungar ihn bis zum 31. März kündigen. Die Hastedter dürften wohl nie und nimmer auf die Idee kommen, denn mit 13:3 Punkten stehen sie als Aufsteiger auf dem zweiten Platz glänzend da. „Selbst wenn wir die nächsten beiden Topspiele gegen Habenhausen und Cloppenburg verlieren sollten, können wir die Hinrunde immer noch mit 16 Punkten abschließen. Damit hätten wir unser Saisonziel schon zu zwei Drittel erreicht“, sagt Gerster. 24 Punkte und der direkte Klassenerhalt gelten als Ziel.

„Ich hätte nicht gedacht, dass meine Arbeit hier so schnell durchschlägt“, sagt Barna-Zsolt Akascos. „Das liegt aber auch an der guten Ausbildung der Spieler in der Jugend-Bundesliga.“ Dazu kommt mit Farasha Bassam ein Schlussmann, der beim Siebenmeter mit einer 50-prozentigen Erfolgsquote aufwartet. „Wenn der den Werfern tief in die Augen schaut, dann verlieren sie die Nerven“, lobt Gerster den libanesischen Nationalkeeper. Ob das auch in Habenhausen klappen wird, das in dieser Saison zu Hause ungeschlagen bleiben will, muss sich zeigen. Das letzte Mal haben beide Klubs übrigens in der Saison 1994/95 gemeinsam in der Oberliga gespielt. Habenhausen wurde damals als Drittliga-Absteiger Vizemeister, Hastedt zog sein Team als Tabellenachter zurück.

Handball in Halle 7? Im Moment erst mal nicht Es hätte der Publikumsrenner in der Handball-Oberliga werden sollen, zumindest hatte sich das die SG HC Bremen/Hastedt so mit dem Heimspiel gegen die Männer der HSG Schwanewede/Neuenkirchen ausgedacht. Der Gegner war mit den publikumsreichen Niedersachsen gut ausgewählt, außerdem sollten der ungewöhnliche Spielort (Halle 7 auf der Bürgerweide) und der Anwurf am zweiten Weihnachtstag für einen Rekordbesuch in der vierten Liga sorgen.  Daraus wird nichts, denn die Hastedter haben die Reißleine gezogen. Die hohen Kosten drohten nicht refinanzierbar zu sein. „Bei uns hatte ein eingeplanter Sponsor keine feste Zusage geben können, daher war uns das unternehmerische Risiko zu groß“, sagt der SG-Projektleiter Thomas Gerster. „Wir haben aber mit Schwanewede das Einvernehmen erzielt, das Event zu einem späteren Zeitpunkt in Angriff zu nehmen.“ Über den neuen Spieltermin müssen beide Teams noch miteinander sprechen.
„Wir sind automatisch Favorit.“ ATSV-Trainer Lars Müller-Dormann

Geschrieben von Olaf Kowalzik, veröffentlicht am 
 26.11.2016 im Weser Kurier.


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