Mrz 2017 24
Habenhausen und Hastedt buhlen um die Vorherrschaft im Bremer Männer-Handball

Der größere Druck, so glaubt Habenhausens Trainer Marc Winter, läge bei den Hastedtern, „da bei ihnen der Aufstieg aufgrund der finanziellen Anstrengungen wichtiger ist“. Thomas Gerster kann darüber nur schmunzeln, denn zum einen habe sein Projektplan bis zum sechsten Aufstieg dieses Teams ohnehin zwei bis drei Jahre Station in der Oberliga vorgesehen. „Außerdem sind es doch unsere Gäste, die höllisch aufpassen müssen, dass sie uns diese Tür nicht wieder öffnen.“

Nach dem 31:23-Hinspielsieg des Herausforderers aus Hastedt knistert es also erneut  zwischen den beiden sportlich rivalisierenden Ortsnachbarn, die kräftig um die Vorherrschaft im Bremer Männer-Handball buhlen. Das Duell ist schon im Vorfeld quasi ausverkauft, 300 Eintrittskarten sind längst vergriffen. Die Halle wird dabei für die Zuschauer aufgrund eines vorherigen Spiels erst um 19 Uhr geöffnet.

Handball © Petra Dreßen

Heiß auf das Derby: Zweimal in Folge war Derk Marien (beim Wurf) mit Hastedt aufgestiegen, jetzt spielt der Zwei-Meter-Mann wieder für den ATSV Habenhausen. (Petra Dreßen)

Dem Wunsch der Hausherren, die Partie auf den Sonntag in die deutlich größere Klaus-Dieter-Fischer-Halle zu verlegen, konnte der ATSV aufgrund seiner Feuerwehr-Schichtdienstler nicht zustimmen. Daraufhin boten die Habenhauser ihre Halle am Bunnsackerweg für den Sonnabend als Spielort an, was wiederum der Verfolger ablehnte: „Unsere Mannschaft möchte dann doch lieber in der eigenen, engen Halle spielen“, erklärt Thomas Gerster.

Eben dort erhofft sich das SG-Team, das Unmögliche vielleicht doch noch möglich machen zu können. Dafür hat sich SG-Trainer Barna-Zsolt Akascos wie schon im Hinspiel eine neue Taktik überlegt und einstudieren lassen. „Die werden sich von uns nicht noch einmal derart überraschen lassen“, ist „Axy“ Akascos überzeugt, „aber wir müssen uns ja etwas einfallen lassen, um unsere Nachteile wieder wettmachen zu können.“ Das Habenhauser Trainerduo Lars Müller-Dormann/Marc Winter will sich derweil auf keinerlei taktische Spielchen einlassen. „Natürlich will unsere Mannschaft die Hinspielscharte auswetzen, aber wir haben unsere Lehren gezogen und werden solch eine Emotionalität im Spiel nicht noch einmal zulassen“, betonen sie und setzen gegen die Torfabrik aus Hastedt auf die starke Deckung, die die mit Abstand beste der Liga ist.

„Ich bin extrem heiß auf das Derby“, sagt Derk Marien und kann die Rückkehr an den Jakobsberg kaum abwarten. Zwei Mal war der Zwei-Meter-Mann mit den Hastedtern in Folge aufgestiegen, um nach dem Ende der vergangenen Saison die Handballschuhe an den Nagel zu hängen – eigentlich. Nach dem Jahreswechsel ließ er sich jedoch von seinem Heimatklub aus Habenhausen, für den er einst auch in der dritten Liga auf Torejagd ging, wieder zum Comeback überreden. „Er ist das Abwehr-Back-up für unseren jungen Miro Schluroff und im Angriff als fünfter Rückraumspieler eine weitere Alternative“, sagt Marc Winter. Der 30-jährige Derk Marien („Ich habe das Comeback bislang nicht bereut“) erhofft sich dabei Parallelen zur vergangenen Saison: In der hatte er mit Hastedt in der Verbandsliga beim ATSV Habenhausen II gewonnen und das Rückspiel am Jakobsberg verloren. „Vielleicht wiederholt sich das ja auch in der Oberliga.“

Das wiederum wollen die Hausherren unbedingt verhindern und bauen dabei auch auf den Einsatz von Marten Franke, der acht Wochen nach seiner Innenbandverletzung im Knie am vergangenen Spieltag erstmals wieder in den finalen fünf Minuten gegen Fredenbeck mit von der Partie war. „Er ist für uns ungemein wichtig, aber beileibe noch nicht wieder zu 100 Prozent fit“, sagt Barna-Zsolt Akascos.

Ungeachtet des Spielausgangs hat der ATSV Habenhausen derweil längst seine Zukunftsplanung eingeläutet und mit dem starken Schlussmann Daniel Sommerfeld vom Ligarivalen HSG Schwanewede/Neuenkirchen einen ersten Neuzugang vermeldet. „Er ist der beste Torwart im Umkreis von 100 Kilometern“, sagt Marc Winter. Hinsichtlich einer Rückkehr in die dritte Liga – egal ob der Aufstieg in diesem oder im kommenden Jahr gelingt – will der ATSV jetzt auch personell draufsatteln. „Uns ist klar, dass die dritte Liga nicht nur mit Habenhauser Jungs zu halten ist“, erklärt Marc Winter. Zu deutlich waren die beiden vorherigen Abstiege aus der semiprofessionellen Spielklasse.

Also gilt es nun, entsprechende Strukturen zu schaffen. „Da wir finanziell nicht auf Rosen gebettet sind, können wir keine Spieler bezahlen“, betont Frank Meier, der 2. Vorsitzende der ATSV-Handballabteilung. Also hat er Gespräche mit den Sponsoren geführt und kann qualitativ hilfreiche Spieler jetzt mit folgendem Angebot locken: „Wenn es passt, dann können wir Arbeitsplätze im gewerblichen und im kaufmännischen Bereich anbieten“, hofft er auf eine Attraktivitätssteigerung seiner Vorzeigemannschaft. Denn zur Fahrstuhlmannschaft will der aktuelle Oberliga-Spitzenreiter im Aufstiegsfall nicht noch einmal werden.

„Für Hastedt ist der Aufstieg aufgrund der finanziellen Anstrengungen wichtiger.“ Habenhausens Trainer Marc Winter
Geschrieben von Olaf Kowalzik, veröffentlicht am 24.03.2017 im Weser Kurier.

 


Impressum | Powered by Testroom