Aug 2017 25

Die ATSV-Handballer haben vor dem Start in die 3. Liga eine Vorbereitung voller Hindernisse hinter sich

Bremen. Eigentlich hatte Lars Müller-Dormann, der Trainer des Handball-Drittligaaufsteigers ATSV Habenhausen, mit Marc Winter, seinem Partner auf der Bank, die Vorbereitung auf die schwierige Saison in der West-Staffel gut geplant. Den ATSV-Kader hatten sie mit Torhüter Daniel Sommerfeld (Schwanewede/Neuenkirchen), Lennart Witt (Cloppenburg), Victor Monroy Gonzales (Spanien) sowie dem Linkshänder Anar Gudmundsson (Nienburg) entsprechend verstärkt. Die Vorbereitungsphase war von den Habenhauser Verantwortlichen durchgeplant – es lief also beim ATSV. Scheinbar. Denn letztlich kam es anders, als von Müller-Dormann und Winter geplant.

Erst sprang Gudmundsson wieder ab, und auch ein als Ersatz vorgesehener Litauer kam nicht an die Weser. Dann machten
berufliche Verpflichtungen der Spieler und die Urlaubszeit dem engagierten Gespann noch zusätzlich einen Strich durch die Rechnung. „Wir konnten eigentlich nie mit dem vollen Kader trainieren oder testen“, moniert das Duo.

Bei allen Personalproblemen ein Lichtblick: Auf der Torwartposition, hiermit Daniel Sommerfeld, sieht sich der ATSV Habenhausen überdurchschnittlich stark besetzt.

Symptomatisch für ihr Problem: diese letzte Trainingswoche vor dem
Punktspielstart gegen den ebenfalls in der Abstiegszon
erwarteten TV Korschenbroich (Sonntag, 17 Uhr, Hinni-Schwenker-Halle). Zum einen konnte am Dienstag nicht trainiert werden, weil das Licht in der Halle ausfiel. Zum anderen musste die Mannschaft zum letzten Test beim ambitionierten Verbandsligisten HSG Delmenhorst ohne Lukas Ole Müller, Olaf Abshagen und Marcel Fischer anreisen. Ulf Grädtke fehlt ohnehin – er steckt im Prüfungsstress und wird erst Mitte September wieder dabei sein.

Als wenn das nicht schon genug wäre, erweist sich die Integration des Spaniers Monroy Gonzales als schwierig. Zum einen hat der Neuzugang noch nicht ausreichend Deutsch gelernt, zum anderen mangelt es ihm auch an den englischen Handballbegriffen. „Wir haben jetzt einen Sprachlehrer engagiert“, erzählt Winter. Beim Test in Delmenhorst kam Gonzales auf der rechten Angriffsseite für die letzten zehn Minuten zum Einsatz, ohne aber Akzente zu setzen.

So setzte der ATSV beim Test gegen den Oberligaabsteiger viel auf Altbewährtes. Aufbauend auf die eingespielte 6:0-Deckung wurden im weiteren Spielverlauf hauptsächlich Tore über Konter erzielt. „Wir haben mit Abshagen und Sommerfeld ein überdurchschnittliches Torwartgespann, sodass wir hoffen, möglichst viele Tore über die erste und zweite Welle zu erzielen“, erklärt Müller-Dormann. Dazu aber darf die Deckung nicht so passiv agieren wie bis zum 6:8 (15.). Als Habenhausen offensiver verteidigte, kam das Team noch zu einem standesgemäßen 33:25 (14:11)-Sieg.
Aber: Eigentlich hatte man ein weiteres Deckungssystem erarbeiten wollen und weitere Auslösehandlungen im Angriff. Im Positionsspiel sind die Blauen nach wie vor zu harmlos; lediglich das Stoßen auf die Nahtstellen sorgt für Räume und schafft Platz für die Außen. Hier ist der ATSV mit den Linkshändern Felix Meier und Hauke Marien sowie den Rechtshändern Müller und Roberto Cagliani gut besetzt. Aber die Achillesferse ist die Fernwurfzone: Hier fehlt ein Spieler mit Durchschlagskraft, auch das war deutlich in Delmenhorst zu sehen.
Immerhin: In der Liga dürfte der Auftaktgegner Korschenbroich nach einem radikalen Umbruch auch nicht eingespielt sein. TVK-Trainer Ronny Rogawska hat gleich zwölf neue Spieler geholt, lediglich mit den Torhütern aus der vergangenen Saison, Max Jäger und Felix Krüger, arbeitet der Däne weiter. Ein guter Start wäre für die Habenhauser wichtig, denn am Ende müssen mindestens 22 Punkte auf der Habenseite stehen, um nicht gleich wieder abzusteigen.

ATSV Habenhausen

Zugänge: Daniel Sommerfeld (HSG Schwanewede/Neuenkirchen), Lennart Witt (TV Cloppenburg), Victor Monroy Gonzales (Spanien), Hauke Marien (eigene Zweite), Luc Schluroff (eigene Jugend / Doppelspielrecht)
Abgänge: Marius Voß (HSG Delmenhorst), Kai 
Rudolph (HSG Schwanewede/Neuenkirchen)

Restkader: Olaf Abshagen, Jannik Wessels; Lukas Ole Müller, Roberto Cagliani, Mirco Wähmann, Björn Wähmann, Janik Schluroff, Ulf Grädkte, Marcel
Fischer, Felix Meyer, Miro Schluroff

Trainer: Lars Müller-Dormann / Marc Winter

Trainer Lars Müller-Dormann:

„Wir konnten eigentlich

nie mit dem vollen Kader

trainieren oder testen.“

 

Geschrieben von Gunnar Schäfer, veröffentlicht am 25.08.2017 im Weser Kurier.

 


Impressum | Powered by Testroom