Dez 2017 29

Mit einem frühzeitig verkündeten Trainerwechsel hofft der Tabellenletzte im Abstiegskampf auf neue Motivation: Matthias Ruckh wird nach der Saison das Duo Lars Müller-Dormann/Marc Winter ersetzen.

Bremen. Tabellarisch gab es bei den Drittliga-Handballern des ATSV Habenhausen seit vier Monaten keine Bewegung mehr – seit dem dritten Spieltag klebt der Aufsteiger auf dem letzten Rang. Dafür nehmen die Personalien bei den Weiß-Blauen kurz vor dem Rückrundenstart an Fahrt auf: Ihr Trainergespann Lars Müller-Dormann/Marc Winter hört zum Saisonende auf undwird durch den Schwaneweder Matthias Ruckh ersetzt. Der ATSV-Spielmacher Lennart Witt hat das Schlusslicht sogar mit sofortiger Wirkung in Richtung des finanzkräftigen Oberligisten TV Cloppenburg verlassen.

Lars Müller-Dormann (Foto. Olaf Kowalzik)

„Lense“ Witt hatte sich beim ATSV zwar nach eigenem Bekunden menschlich wohlgefühlt, spielerisch will er dort aber nicht angekommen sein. „Natürlich hat er noch nicht das gebracht, was wir uns von ihm erwartet haben. Wir haben in ihm aber noch einiges Potenzial gesehen“, kann Marc Winter die Entscheidung nicht nachvollziehen. „Letztlich macht es aber auch sportlich keinen Sinn, einen Spieler gegen seinen Willen zu halten“, betont Habenhausens Vorstand Frank Meier. Damit wird der Kader des Liga-Novizen mit zehn Feldspielern und drei Torhütern zwar noch übersichtlicher. „Aber wir schauen auf dem Markt nach, was noch möglich ist“, sagt Frank Meier. Mit Spielern aus der eigenen Oberliga-Vertretung und den A-Jugend-Talenten wie Miro und Luc Schluroff hat der Klub auch einiges an Potenzial in der Hinterhand.

Im Kampf um den Klassenerhalt hat sich der ATSV Habenhausen noch nicht aufgegeben. Der wird durch den frühzeitig angekündigten Trainerwechsel eher neu befeuert. „Das Wichtigste ist jetzt, dass wir uns alle zusammen wehren und noch einmal alles für den Klassenerhalt geben“, betont Habenhausens Leitwolf Björn Wähmann. „Ein Sieg am 13. Januar beim TV Korschenbroich könnte uns dabei noch einmal einen neuen Schub geben“, hofft Frank Meier. Denn der Vorletzte steht nur aufgrund des besseren Torverhältnisses vor den Bremern. Im Hinspiel hatten sich beide Teams 27:27 getrennt. „Bei einem Sieg würden wir den Rückstand zum ersten Nichtabstiegsplatz auf vier Punkte verkürzen“, sagt Marc Winter. Der Ligaverbleib wäre angesichts des überschaubaren ATSV-Etats ein Riesenerfolg.

Findet lobende Worte für das Trainergespann Lars Müller-Dormann und Marc Winter, freut sich aber auch auf Matthias Ruckh: Habenhausens Leitwolf Björn Wähmann. (Olaf Kowalzik)

„Eigentlich hatte ich schon vor zwei Jahren aufhören wollen, aber da hatte mir das Einsteigen von Marc wieder neuen Schwung verliehen“, erzählt Lars „Dodo“ Müller-Dormann. „Es wird allmählich schwieriger, sich zu motivieren“, gibt der Dauerbrenner zu, der sich nach zehn Trainerjahren in Habenhausen, davon acht in der ersten Mannschaft, zunehmend ausgebrannt fühlt. Vorher hatte er acht Jahre hochklassig für die Weiß-Blauen gespielt. „Ich freue mich nach 30 Jahren Leben für den Handball darauf, auch einmal im Sommer mit meiner Frau Urlaub machen zu können.“

Genauso denkt Marc Winter, der seit rund 26 Jahren ununterbrochen im Dienst der kleinen Lederkugel unterwegs ist. „Ich brauche eine Pause und möchte mich mehr um die Familie kümmern“, erklärt er. Insofern passte es gut, dass auch der Vorstand eine Veränderung anstrebt. „Wir haben in den acht Jahren zusammen drei Oberliga-Meisterschaften geholt und drei Aufstiege in die dritte Liga geschafft, das können nicht viele Trainer aufweisen“, sagt Björn Wähmann.

Matthias Ruckh (Foto: Olaf Kowalzik)

Der lange Zeitraum sorgt freilich auch für Abnutzungserscheinungen. „Wir wollten einen neuen Impuls setzen, die Entscheidung ist mit allen Beteiligten einvernehmlich gelaufen“, betont Frank Meier. Er stellt als Nachfolger von Müller-Dormann und Winter Matthias Ruckh vor, der als Trainer im Männer-Handball ein noch unbeschriebenes Blatt ist. „Ruckher“ wurde als Spieler beim TV Grambke groß und hat es bis zur zweiten Bundesliga bei der HSG Konstanz (2003/04) und der SG Achim/Baden (2007) geschafft. Seit 2011 spielt er beim Oberligisten HSG Schwanewede/Neuenkirchen, bei der der Routinier eine feste Größe ist. Aktuell trainiert der 35-Jährige unter anderem die B-Jugend der „Schwäne“ in der Verbandsliga. Im Erwachsenenbereich hatte der erfahrene Spieler bislang allerdings nur eine Frauenmannschaft der TSG Hatten-Sandkrug gecoacht. „Er ist ein junger, hungriger Trainer. Ich habe bei ihm ein gutes Gefühl“, meint Frank Meier.

Matthias Ruckh hat mit dem Team ebenfalls keine Berührungsängste. „Natürlich habe ich vor meiner Aufgabe Respekt, aber das Team hat eine unglaubliche Mentalität und spielt auf einem konstant guten Level. Ich weiß, was die Mannschaft kann und welchen Handball ich mit ihr spielen möchte.“ Der Mannschaftssprecher Björn Wähmann steht der Verpflichtung von „Ruckher“ ebenfalls offen gegenüber: „Ein neuer Trainer bringt immer neuen Schwung rein.“

Der ATSV Habenhausen hatte solch einen Effekt in seinem letzten Hinrundenspiel selbst erlebt, als er von der durch einen Trainerwechsel frisch motivierten HSG Krefeld mit 30:21 besiegt wurde. Im Kampf um den Klassenerhalt könnte so ein Sieg auch den Weiß-Blauen nicht schaden.

Weser-Kurier vom 29.12.2017 von Olaf Kowalzik


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