Nov 2018 08

Das Kellerkind in der Handball-Oberliga der Frauen schlägt den Aufsteiger deutlich mit 35:20

Nach der mehr als deutlichen 20:35 (11:16)-­Niederlage schäumte Wannmacher denn auch vor Wut. „Anscheinend blendet unser eigener Tabellenstand die Spielerinnen“, ärgerte sie sich, „offensichtlich haben einige noch immer nicht begriffen, dass es für uns als Aufsteiger zunächst nur um möglichst viele Punkte gegen den Abstieg geht und zwei davon haben wir heute bei einem direkten Konkurrenten fast schon fahrlässig und für mich absolut nicht nachvollziehbar einfach liegen gelassen.“

Foto: Nils Conrad

Von Beginn an übernahmen die Gastgeberinnen um ihre Kapitänin Christine Köster (elf Tore/drei Siebenmeter) die Initiative, agierten bissig in der Defensive und überaus effektiv im Angriffsspiel. Bereits nach noch nicht einmal neun Minuten lag Findorff mit 0:5 hinten, ein schmerzhafter Nasenstüber für Madita Woltemade (sechs Tore) in einem harten Zweikampf mit der ATSV-Spielführerin zeigte direkt zu Beginn die Richtung an, in die das Spiel laufen sollte. „Das war eine katastrophale Leistung meiner Spielerinnen“, schimpfte ­Corinna Wannmacher, „niemand hat heute sein eigentliches Potenzial abgerufen, sie spielten alle irgendwie abgehoben und jenseits der Realität.“ Von den abstiegsgefährdeten Gastgeberinnen erhielten die Gäste eine wahre Lehrstunde in Sachen Kampfgeist, ­Moral, Einsatzbereitschaft und Effektivität. „Ich bin total begeistert vom Auftritt meiner Mannschaft“, freute sich ATSV-Coach Lars ­Röwer, „sie hat sich heute als geschlossene Einheit präsentiert und das Spiel auch vollkommen zurecht gewonnen.“

In ihrer ersten sehr frühen Auszeit (zehnte Spielminute) appellierte Wannmacher an die Ehre ihrer Spielerinnen. „Mir fehlte der Zugriff in der Defensive“, erläuterte sie nach Spielende, „deshalb habe von ihnen mehr ­Engagement in der Deckung und mehr Kreativität im gesamten Spielaufbau gefordert.“ Allerdings verhallten ihre Worte zumeist ungehört, näher als auf zwei Tore kamen die Gäste an die furios aufspielenden Gastgeberinnen nicht heran (11:9/20.), mit stolzen fünf Toren Unterschied wechselten die Teams schließlich die Seiten.

Mit Wiederbeginn sorgte zunächst Findorffs Beste für etwas Hoffnung, per Doppelschlag verkürzte Madita Woltemade auf 13:16 (32.). Doch mit zunehmender Spieldauer schwand aufseiten der Gäste allerdings die Zuversicht, die fehlende Effektivität vor dem gegnerischen Gehäuse war für die Trainerin kaum zu erklären. „Wir haben die Torhüterinnen zu Weltmeistern geworfen“, haderte Wannmacher, „weil einfach der Glaube fehlte.“ Auf der Gegenseite trafen die Habenhauserinnen nahezu nach Belieben, als Sharon Holtz zum 23:16 für ihr Team treffen konnte (41.), war für Lars Röwer die Messe zugunsten seiner Mannschaft gesungen.

„Etwa ab Mitte der zweiten Hälfte wusste ich, dass wir dieses Spiel gewinnen würden“, resümierte der überglückliche Trainer, ich kann meinen Spielerinnen heute nur ein ganz großes Lob für einen begeisternden Auftritt aussprechen.“ Sein Gegenüber war auch lange nach Spielschluss noch nicht zu beruhigen. „Was machen wir denn erst, wenn die anderen starken Mannschaften kommen?“, fragte sie, „die nehmen uns auseinander, wenn wir da in dieser Art und Weise auftreten.“

Vom Gegenteil können die Spielerinnen ihre maßlos enttäuschte Trainerin bereits am kommenden Sonnabend, 10. November (15.30 Uhr), überzeugen – dann gastiert der SC SFN Vechta im „Fuchsbau“ an der Nürnberger Straße.

ATSV Habenhausen: Bergen, Zumpe; True, Lange, Holtz (2), Köster (11/3), Beisch (1), Peek (6), Wefer (3), Burwinkel (7), Leder (5).

SG Findorff: Preuß; Klein, Kelm Siegenthaler, Drost, Hedtke, Rump (1), Woltemade (6), Wiegandt (4), Messer (5), Radziej (3), Wessels (1).

„Das war eine katastrophale Leistung meiner Spielerinnen.“ Corinna Wannmacher

Geschrieben von Christian Markwort, veröffentlicht im Weser Kurier am 08.11.2018


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