Feb 2019 07

Handball-Oberliga: Habenhauserinnen gewinnen Stadtderby gegen Tabellendritten Werder Bremen mit 20:19

Bremen. Die Oberliga-Handballerinnen des ATSV Habenhausen haben im Abstiegskampf ein kräftiges Statement abgegeben, und was für eins. Die Blau-Weißen kämpften im Lokalderby den Tabellendritten SV Werder Bremen II mit 20:19 (11:12) nieder und verbesserten sich in der Tabelle auf den drittletzten Rang.
Es waren ausgerechnet zwei Spielerinnen mit grün-weißer Vergangenheit, die dem SV Werder Bremen II den finalen Stoß versetzten und damit zugleich die Klassenerhaltsträume ihres Teams neu entfachten. Pia Sell (früher Wefer) steckte den Ball an Werders Abwehr vorbei ihrer Kreisläuferin Kim-Anna Heidorn zu, die von Michaela Stahlkopf bedrängt wurde. Werders ehemalige Drittliga-Spielerin störte das nicht: Sie ließ sich nach hinten fallen und mogelte den Ball 21 Sekunden vor Schluss irgendwie an Charlotte Schumacher vorbei zum 20:19 ins SVW-Netz.
Danach bekam Werders Ausbildungsteam mit dem Schlusspfiff noch einen direkten Freiwurf zugesprochen, zu dem mit Naomi Conze die längste Gäste-Angreiferin antrat. Zweimal war Werders U17-Jugend-Nationalspielerin während der Partie beim Freiwurf an der ATSV-Mannschaftsführerin Sabine Peek gescheitert, diesmal blockte Christin Lange die letzte verzweifelte Aktion des Spiels ab. Danach flossen bei den jubelnden Gastgeberinnen die Greudentränen und sie waren nur noch als tanzendes Knäuel auszumachen.
„Meine Mannschaft hat geschlossen stark gekämpft“, lobte die ATSV-Trainerin Deniza Sommerfeld das gesamte Kollektiv. Die Co-Trainerin war nach dem Rücktritt von Lars Röwer (siehe nebenstehenden Bericht) gerade erst zur Cheftrainerin aufgestiegen, was bei den Blau-Weißen offenbar zusätzliche Kräfte mobilisierte. Das sah auch Werders enttäuschter Trainer Radek Lewicki so: „Habenhausen hat alles investiert und ist dahin gegangen, wo es weh tat. Wir haben unglücklich, aber verdient verloren.“ Mehr Lob geht kaum.
Der Auftakt stand ganz im Zeichen der Gäste, die sich durch den Treffer von Malin Pods sofort auf 5:2 absetzten (11.) und die Führung bis zum 11:7 von Naomi Conze behaupteten (26.). Zwischen den Pfosten sicherte eine starke Larissa Gärdes den Vorsprung ab. Danach legte der ATSV Habenhausen den Respekt vor seinem Gegner ab und holte Tor um Tor auf. „Vorne haben wir endlich geduldig gespielt und hinten Werders Spielfluss mit einer aggressiven Abwehr immer wieder gestört“, analysierte Deniza Sommerfeld das packende Match. Nur 19 Gegentore vom bis dato torhungrigsten Angriff der Liga zu kassieren, und das auch noch als Schießbude der Liga, ist schon beachtlich. Dadurch nahm der ATSV Habenhausen die Tuchfühlung beim 10:11-Rückstand wieder auf (29.).
Es kam im zweiten Durchgang noch besser, als Sabine Peek und Sharon Holtz den 11:12-Pausenrückstand mit dem 13:12 in eine ATSV-Führung umwandelten (32.). „Wir haben die Habenhauser Torhüterinnen warm geworfen. Unterm Strich haben sich unsere vielen kleinen Fehler zu unserem Nachteil summiert“, bemängelte Radek Lewicki. Es war schon bezeichnend, dass in seinem Team in der zweiten Hälfte bis auf ein Tor von Naomi Conze nur noch Routinier Katrin Friedrich ins Schwarze traf. „Taktisch sind wir noch nicht so weit, wie ich es mir wünsche. Gute Individualisten machen eben noch kein Team aus“, zog Radek Lewicki ein ernüchterndes Fazit und nahm sich aus der Kritik nicht aus.
Acht Minuten vor Schluss führten die Habenhauserinnen durch Christin Lange mit 19:17, drei Uhrzeigerumdrehungen später glich Friedrich wieder aus. „Da es bei uns eigentlich um nichts mehr geht, waren einige vielleicht schon in Gedanken bei der neuen Saison“, mutmaßte Lewicki. Egal, die Gastgeberinnen sorgten für ein furioses Finale und feierten aufgrund ihrer großen Moral zu recht.
„Wir hatten in der vergangenen Saison schon einmal bewiesen, dass wir Werder knacken können“, spornt Deniza Sommerfeld ihre Mannschaft weiter an. Die logiert dank des Überraschungserfolgs einen Platz und einen Punkt vor den beiden Regelabstiegsplätzen. Bei zehn noch zu spielenden Partien ist das alles andere als ein Ruhekissen, zumal der Vorletzte Wilhelmshavener SSV noch eine Begegnung mehr auszutragen hat. Auch das schlechteste Torverhältnis aller betroffenen Kellerkinder muss noch zwingend aufgebessert werden. „Wir wissen aber, wie der Abstiegskampf geht“, lässt sich Deniza Sommerfeld davon nicht ins Bockshorn jagen. Die Blau-Weißen empfangen auf ihrem langen und steinigen Weg ja auch noch drei der vier direkten Abstiegskampf-Konkurrenten in der eigenen Halle.
Der auf den vierten Platz abgesackte SV Werder Bremen II erwartet am Sonnabend um 18 Uhr den Spitzenreiter SFN Vechta, Habenhausen muss am Sonntag um 16.30 Uhr beim Fünften HSG Hude/Falkenburg antreten.
„Wir hatten schon einmal bewiesen, dass wir Werder knacken können“
Habenhausens Trainerin Deniza Sommerfeld

ATSV Habenhausen: Bohlen, Bergen; Holtz (6), True, Burwinkel, Köster (4/1), Beisch, Lange (1), Peek (4/3), Sell, Burwinkel (2), Heidorn (2), Leder (1), Abbes.

SV Werder Bremen II: Schumacher, Gärdes; Stahlkopf, Schreiber (3), Majewski, Pods (1), Schlegel, Conze (3), Repty (1), Ferber-Rahnhöfer, Friedrich (9/4), Tebje (1), Döpke (1), Hertes.

Geschrieben von Olaf Kowalzik und veröffentlicht am 07.02.2019 im Weser Kurier


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