Habenhausen holpert auf Platz zwei

Oberliga-Handballer starten mit einem 28:21-Pflichtsieg im Nachholspiel über Barnstorf

Klar, denn so viele Torchancen, die die Hausherren gegen die Niedersachsen vergaben, gingen nicht auf die berühmte Kuhhaut. Auch nicht für einen ersten Auftritt nach der „Weihnachtspause“. Allein im ersten Durchgang tauchte der Drittliga-Absteiger sechsmal völlig frei vor dem Gehäuse des Barnstorfer Keepers Donatas Biras auf und vergeigte seine Chancen teilweise erschreckend schwach. Der Aufschrei des Entsetzens war von der Habenhauser Bank fast bis auf die Tribüne zu hören. „Das dürfen wir uns gegen andere Gegner wie Aurich nicht erlauben“, warnte Matthias Ruckh. Erst recht nicht am kommenden Sonnabend im Amateurpokal gegen Wift Neumünster, gegen den es immerhin um den Einzug ins Viertelfinale geht. „Dafür war für uns das Einspielen natürlich genau richtig“, meinte  Ruckh.

Foto: Olaf Kowalzik

Einer seiner Akteure sprühte im Nachholspiel nur so vor Ehrgeiz: Lukas Feller, der fünf Wochen nach seiner Blinddarmoperation ein starkes Comeback feierte. Der Mann mit dem markanten Haarzopf vertrat den krankheitsbedingt geschonten Mirco Wähmann auf halblinks ausgezeichnet und pfefferte den Niedersachsen allein schon in den ersten zehn Minuten drei Tore zur 4:3-Führung ins Netz. „Ich bin gut reingekommen, habe meine Aktionen hundertprozentig durchgezogen und bin mit meiner Leistung vollkommen zufrieden“, freute er sich über sein gelungenes Comeback. „Er kommt bei uns immer besser zurecht“, lobte ihn auch sein Trainer.

Als sich die Hausherren nach dem 7:7 durch die Tore von Tim Steghofer, Lukas Feller, Marcel Fischer und Felix Meier auf 11:7 absetzten, schien sich auch auf dem Spielfeld eine schnelle Entscheidungen anzubahnen (24). Wohlgemerkt schien, denn danach ließ die Südbremer Angriffspräzision umgehend wieder nach, sodass der Neuntplatzierte die Tuchfühlung beim 11:12-Rückstand innerhalb von fünf Minuten wieder aufgenommen hatte.

„Wir haben insgesamt zu viel verworfen. Da fehlten uns vielleicht die letzten zehn Prozent, um es frühzeitig deutlicher zu machen“, fand der Linksaußen Tim Steghofer. Er war mit sieben Toren der erfolgreichste ATSV-Werfer und vor allem dann stark, wenn er von Linksaußen zur Mitte zog und die kleine Lederkugel auf das HSG-Gehäuse abfeuerte. Aber selbst er reihte sich in den Reigen der Habenhauser Fehlwürfe mit ein.

Dass sich die Bremer Angriffsschwächen unterm Strich trotzdem nicht negativ auswirkten, war das Verdienst des ATSV-Keepers Daniel Sommerfeld. Der 28-Jährige wehrte insgesamt 17 Barnstorfer Würfe ab. Den Großteil davon im zweiten Durchgang, als die Begegnung mehrfach auf des Messers Schneide stand. Als die Hausherren beim 17:15 auch noch eine Zeitstrafe von Marcel Fischer gut überstanden und den Vorsprung in dieser Zeit durch Hauke Marien und Jannik Schluroff sogar auf 19:15 ausbauten (44.), rauschten sie ihrem ersten Sieg im neuen Jahr allmählich entgegen.

Mirco Wähmann läutete schließlich die endgültige Entscheidung mit einem von Lukas Feller herausgeholten Strafwurf zum 22:19-Zwischenstand ein, für die der Drittliga-Absteiger sechs Minuten benötigte. Innerhalb dieser Zeit verpassten ein Dreher des ATSV-Rechtsaußens Hauke Marien sowie die Rückraumtore von Yannick Schäfer und Bjarne Ruthke zum 25:19-Vorsprung den Niedersachsen den Rest (57.).

Dadurch sind die Blau-Weißen ihrem Ziel, ihr Minuspunktekonto bis zum Saisonende bei den aktuellen sieben Zähler belassen zu wollen, einen Schritt näher gekommen. Das Hoffen auf genügend Ausrutscher des Spitzenreiters OHV Aurich ist allerdings noch eine ganz andere Sache . . .

ATSV Habenhausen: Sommerfeld, Abshagen; Ruthke (1), Fischer (1), B. Wähmann (5/1), Meier (1), Schluroff (2), M. Wähmann (1/1), Rojahn, Schäfer (1), Marien (4), Müller, Feller (5), Steghofer (7/1).

„Das dürfen wir uns gegen andere Gegner wie Aurich nicht erlauben.“ Mathias Ruckh über vergebene Chancen

Geschrieben Olaf Kowalzik, veröffentlicht im Weser Kurier am 24.01.2019