Personelle Vorteile entscheiden das Derby

Handball- Oberliga: Habenhausen setzt sich nach ausgeglichener ersten Hälfte mit 31:22 gegen Hastedt durch
Bremen. „Thunderstruck“ rummste es zum Derby-Hit der Handball-Oberliga der Männer zwischen dem ATSV Habenhausen und dem HC Bremen (31:22) aus den Boxen der Hinni-­Schwenker-Halle. Der ATSV-Hallensprecher Ralph Reeschke hatte den rockigen Kracher von AC/DC direkt vor dem Einmarsch des Lokalmatadoren in blau-weiß ausgewählt und kräftig aufgedreht. Wie passend, denn wie ein gewaltiger Donnerschlag muss dem nur dreieinhalb Kilometer entfernt beheimateten Gast aus Hastedt auch der Auftakt ins Derby vorgekommen sein. Nach nicht einmal zwölf Minuten führten die Hausherren durch den Treffer von Mirco Wähmann mit 9:3. Sie hatten reichlich davon profitiert, dass der Hastedter Spielertrainer Marten Franke das Heft des Handelns an sich zu reißen versuchte und dabei mit drei Versuchen am Habenhauser Keeper Daniel Sommerfeld und einmal am ATSV-Querbalken gescheitert war.

Foto: Olaf Kowalzik

Damit war es für die Gäste alles andere als leicht, die gewünschten Emotionen ins Derby hereinzubringen. Aber was hätte Marten Franke auch sonst machen sollen, wo ihm doch im Rückraum die Unterstützung aus der Bundesliga A-Jugend (sie spielte in Magdeburg) fehlte und seine Mitspieler mit der defensiven 6:0-Mauer der Habenhauser ihre liebe Mühe hatten? „Ja, wir hatten den Start verpennt“, bedauerte Marten Franke.
Dem ATSV-Trainer Matthias Ruckh konnte das einen Tag vor seinem 37. Geburtstag nur recht sein. Er musste seine Mannschaft unter der Woche ohnehin immer wieder ermahnen, sich auf das Derby zu konzentrieren und den Fokus bitteschön eben nicht auf das nachfolgende Pokal-Highlight in Apolda zu legen. „Manchmal habe ich das aber auch rausgehauen, um es mir selbst einzutrichtern“, gab er schmunzelnd zu. Jetzt war seine Mannschaft auf Anhieb im Spiel, in dem Lukas Ole Müller auf Linksaußen ein Top-Vorstellung ablieferte und auch Lukas Feller im Rückraum besonders zu gefallen wusste. Da konnte sich der Gastgeber zwischendurch sogar den ein oder anderen Schlendrian erlauben.
Andererseits war es der HC-Schlussmann Luca Prieß, der dem Favoriten einige gute Torchancen abknöpfte, so dass die Gäste über ihren Kampfgeist und den Toren ihres treffsicheren Linksaußens Paul Schröder wieder peu à peu näher kamen. Beim 10:13 des allgegenwärtigen Spiellenkers Marten Franke, der seine Siebenmeter mit einer traumhaften Sicherheit verwandelte, betrug der Hastedter Rückstand nur noch drei Tore. Auch beim Gang in die Halbzeitbesprechung hatten sich die Gäste mit 12:15 richtig teuer verkauft.
Matthias Ruckh stieß das derart auf, dass er seine Mannschaft erst einmal in die Kabine gehen ließ und einen Augenblick in der Halle verweilte. Dann ging er schnurstracks hinterher, um seiner Mannschaft klipp und klar deutlich zu machen, was er davon hielt, dass sie sich vom Lokalrivalen zwischenzeitlich immer wieder aus dem geschlossenen Verband herauslocken ließ. „Außerdem hat es mich geärgert, dass wir im Angriff nicht weiter auf den Punkt gespielt haben“, ließ der ATSV-Coach durchblicken.
Im zweiten Durchgang spielte der Gastgeber seinen personellen Vorteil gnadenlos aus und wechselte in seinem Kader permanent durch, während der HC Bremen allmählich abzubauen begann. Nach dem 13:16 von Marten Franke verschaffte sich der ATSV Habenhausen mit den Treffern von Hauke Marien und Björn Wähmann (2) zum 19:13 zunächst schnell Luft (36.), ab dem 19:24 zollten die Gäste schließlich ihren geringen Wechselalternativen endgültig ihren Tribut und fielen deutlich auf 19:28 zurück (55.). „Habenhausen konnte praktisch eine neue Mannschaft mit frischen Spielern aufs Feld schicken, mir fehlten dagegen die Wechseloptionen“, sagte Marten Franke. Deshalb machte er seinem Team bei der missglückten Schlussphase auch keinen Vorwurf: „Wir haben gut gekämpft.“
Spannend geht es bei beiden Mannschaften am Sonnabend weiter: Der ATSV Habenhausen will um 20 Uhr mit einem Sieg beim thüringischen Oberligisten HSV Apolda ins deutsche Amateurpokal-Finale einziehen. Der auf einen Abstiegsplatz abgerutschte HC Bremen erwartet dagegen um 19.30 Uhr den SV Beckdorf zum absoluten Kellerduell am Jakobsberg. „Mit dieser Leistung und den Verstärkungen aus der A-Jugend im Rückraum sehe ich dem Spiel optimistisch entgegen“, visiert Marten Franke die sofortige Rückkehr ans rettende Ufer an. Auf dem hatte sich seine Mannschaft noch vor der Niederlage in Habenhausen befunden, der SV Beckdorf zog jedoch mit einem Last-Second-Überraschungssieg über Cloppenburg an ihnen vorbei.

ATSV Habenhausen: Sommerfeld, Abshagen; Fischer (4), B. Wähmann (5/2), Monroy (1), Meier (1), M. Wähmann (6), Stüven (1), Rojahn, Schäfer, Marien (3), Müller (5), Feller (5).

HC Bremen: Lucic, Prieß; Schröder (6), Laube, Gövert, Franke (10/6), Brune, K. Wiezorrek, Grieme (1), O. Fietze (2), J. Wiezorrek (2), Latacz (1).

Geschrieben von Olaf Kowalzik und veröffentlicht am 28.02.2019 im Weser Kurier