Team- Motivator und Showman

Schwaneweder René Steffens wechselt zur neuen Saison ins Habenhauser Tor
Bremen. Gerade erst haben die Oberliga-Handballer des ATSV Habenhausen mit dem Linksaußen Mirko Ahrens den ersten Neuzugang für die kommende Saison vermeldet, da trudelt bei ihnen auch schon die nächste Zusage ein: René Steffens, Torwart und aktueller Mannschaftskamerad von „Batman“ Ahrens beim Verbandsligaprimus HSG Schwanewede/Neuenkirchen, wird die Blau-Weißen in der kommenden Spielzeit verstärken.
„Damit habe ich eine frisch aufgerissene Baustelle gleich wieder geschlossen“, freut sich der ATSV-Trainer Matthias Ruckh. Da sich in seinem Team der Schlussmann Olaf Abshagen beruflich ab April gen Heimat zur Feuerwehr nach Stralsund orientieren wird, war Handlungsbedarf erforderlich. Denn auch der ohnehin als langfristiger Nachrücker eingeplante Bassam Farasha (früher HC Bremen) steht den Südbremern auf einmal nicht mehr zur Verfügung. „Wir haben letztendlich doch nicht zueinander gefunden“, sagt Matthias Ruck, ohne näher auf die Hintergründe einzugehen.

Markant, Ehrgeizig und Erfolgsorientiert: Torwart René Steffens, Foto: Christian Kosak

Der Ersatz war in René Steffens schnell gefunden. „Die Anfrage von Matthias kam für mich völlig überraschend“, gibt der Umworbene zu, der mit dem Neu-Habenhauser Fabian Rojahn schon vom TV Langen über den TSV Bremervörde bis hin zur HSG Schwanewede/Neuenkirchen durch einige Klubs getingelt ist. Vier, fünf Wochen dauerte das Liebeswerben, dann gab der Mann mit dem markanten Kinnbart und dem kahl geschorenen Kopf Bremens Nummer eins im Männerhandball das Ja-Wort.
Markant umschreibt auch irgendwie den Typen René Steffens. Er ist bei Schwanewede der Chancen-Tod für jeden Gegner, Team-Motivator und auch ein stückweit Showman mit seinen Posen nach gezeigten Paraden. Wenn er sein „Jaaaa, Buuumm!“ übertrieben langgezogen durch die Halle schreit, dabei die Faust triumphierend in die Luft reckt und wie ein Rumpelstilzchen von einem Bein auf das andere springt, spätestens dann weiß der Gegner haargenau, dass der Torverhinderer nun völlig in seinem Erfolgstunnel steckt. „René hatte nach seiner Verletzung schon in der Oberliga Rückserie bei Schwanewede wahnsinnig stark gehalten und ist jetzt natürlich auch in der Verbandsliga der Top-Keeper“, lobt „Ruckher“ Ruckh den angehenden Neuen. 
Der wohnt in Langen bei Bremerhaven und muss jetzt noch länger aufs Gaspedal treten als gewohnt. „Ich bin ohnehin ein ehrgeiziger Typ und fahre für den Handball Tausende von Kilometern, da stört der 30 Kilometer längere Trainingsweg nicht wirklich“, winkt der ab. Er freut sich auf Bremens Nummer eins im Männerhandball und die Chance, weiter oben mit anzugreifen. „Ich bin 26 und habe drei Knieoperation hinter mir. Da heißt es für mich nur noch: Wenn nicht jetzt, wann dann?“, betont René Steffens.
Das Hauptmotiv seines Wechsels war das gemeinsame sportliche Messen mit dem ATSV-Keeper Daniel Sommerfeld. „Daniel prägt das Torwartspiel seit Jahren in der Oberliga und auch darüber. Davon möchte ich auch profitieren“, erzählt er. „Die beiden werden sich gegenseitig pushen, ganz bestimmt“, glaubt auch Matthias Ruckh. Er möchte in Habenhausen gerne so ein Team aufbauen, wie damals sein Opa Detmar von Salzen beim TV Grambke: „Ich suche solche leistungsstarken Typen, die alle Bock haben, fünfmal die Woche nur des sportlichen Erfolgs wegen zu trainieren.“ Steffens, der schon als 16-Jähriger das Elternhaus in Langen verlassen hatte und zwei Jahre im wohnlich hergerichteten Keller seines Trainers lebte, um in Fredenbeck in der Jugend-Oberliga zu spielen, ist so ein Kerl – keine Frage.

Sonnabend im Pokal-Halbfinale
Bei aller Vorfreude auf den Wechsel geht der Blick des ATSV Habenhausen aber jetzt komplett auf das Highlight der Saison, den DHB-Amateurpokal. In dem muss er im Halbfinale am Sonnabend um 20 Uhr beim HSV Apolda ran, dem Zehnten der Oberliga des Mitteldeutschen Handballverbandes.
Mit Stefan Remke und Stefan Szep-Kis haben die Apoldaer ganz frisch zwei mit Doppelspielrecht ausgestattete Talente vom A-Jugend Bundesliga-Fünften SC DHfK Leipzig unter Vertrag genommen. Szep-Kis hat sich mit 72 Toren aus 14 Partien in die Top Ten der Bundesliga Staffel Mitte geworfen, beide laufen auch schon für die Thüringer auf. Außerdem besteht das der Glockenstädter unter anderem aus sechs Spielern aus Ungarn, Mazedonien, Kroatien, Tschechien und Serbien. 
Videos zum Einstimmen konnte der ATSV-Coach bislang nicht organisieren. „Für uns geht es in dem Spiel um alles, da heißt es nur: Vollgas geben!“, gibt Matthias Ruckh deshalb die Marschroute aus.

Interessierte können die kostenlose Mitfahrt im Mannschaftsbus (Abfahrt: 12.30 Uhr vom Hotel „Zum Werdersee“) nutzen. Anmeldung unter E-Mail: fsj@atsvhabenhausen.de.

Geschrieben von Olaf Kowalzik und veröffentlicht am 25.02.2019 im Weser Kurier