„Ein bisschen Unbehagen habe ich schon“

Das Bremer Talent Miro Schluroff will sich bei den Füchsen Berlin den Traum vom Profi-Handball erfüllen

Miro Schluroff: Beendet würde ich nicht sagen. Aber ich mache jetzt auf jeden Fall eine Pause, weil ich mein Hauptaugenmerk auf die Halle legen möchte. Ich bleibe aber auf Abruf. Natürlich würde ich gern mal wieder Beachhandball spielen. Mit 19 kann man wohl von Karriereende nicht reden.

Sand und Sonne klingen nach Spaß. Müssen Sie in Berlin nun vor allem harte Arbeit und weniger Freude fürchten?

Harte Arbeit auf jeden Fall, ja. Wenn man Profi werden möchte, ist das wohl auch normal. Ich hoffe aber, dass ich trotzdem auch Freude haben werde. Es wird auf jeden Fall kein Zuckerschlecken.

Warum ist Ihre Wahl auf die Füchse Berlin gefallen?

Ich glaube, dass ich dort das beste Training bekommen kann, das es in Deutschland gibt. Es passt natürlich auch ganz gut, dass ich den Handball mit meiner Ausbildung verbinden kann, dass beides gut aufeinander abgestimmt ist. Und mit Bob Hanning habe ich einen sehr guten Trainer, der mir megaviel beibringen kann.

Trainiert Hanning denn die zweite Mannschaft?

 
Hofft bei den Füchsen auf den Durchbruch: der Habenhauser Miro Schluroff. Foto: Christina Kuhaupt

Hofft bei den Füchsen auf den Durchbruch: der Habenhauser Miro Schluroff. Foto: Christina Kuhaupt

Nein, aber er ist bei vielen Trainingseinheiten dabei.

In früheren Interviews haben Sie den Wunsch geäußert, Handball-Profi werden zu wollen. Sehen Sie sich bereits am Ziel?

Auf keinen Fall. Ich habe ja noch nichts erreicht, bin derzeit in Wilhelmshaven gerade mal im Kader eines Zweitligisten. Mein Ziel habe ich erreicht, wenn ich irgendwann in der 1. Liga spielen sollte und da fest zum Kader gehöre. Aber da sehe ich mich jetzt noch nicht annähernd.

Sie sprachen es an, dass Sie parallel zum Handball bei den Füchsen eine Ausbildung zum Sportkaufmann machen. Wollten Sie nicht eigentlich zur Polizei gehen?

Ja, das hatte ich mal vor, aber die Ausbildung wäre zeitlich mit meinen Profi-Handball-­Ambitionen nicht in Einklang zu bringen.

Wie wird sich Ihr Leben im Vergleich zur Bremer Zeit verändern?

Ich ziehe in eine eigene Wohnung – das ist schon mal eine Riesenumstellung. Ich muss halt selbst aufräumen, Wäsche waschen, kochen…

Hier in Bremen macht das noch Ihre Mutter?

Ja. In Berlin muss ich alles allein machen. Auch zeitlich wird sich mein Alltag mit Training am frühen Vormittag anders gestalten. Jetzt kann ich noch weitgehend aufstehen, wann ich will. In Berlin wird es Tage geben, an denen ich morgens trainiere, dann den ganzen Tag arbeite und abends wieder trainiere.

Das klingt nach Beschäftigung rund um die Uhr.

Ja, und dann muss ich zu Hause auch noch alles managen.

Wie haben Sie sich auf den neuen Lebensabschnitt vorbereitet?

So richtig bis jetzt noch gar nicht. Ich lasse das auf mich zukommen. Ich hoffe, dass ich das hinbekomme. Notfalls kann ich meine Mutter ja auch schnell mal anrufen.

Das klingt ganz entspannt.

 

Ich glaube, dass ich Dinge ganz gut hinkriege, wenn ich ein Ziel erreichen möchte.

Haben Sie sich mal mit dem Bremer Finn Lemke ausgetauscht, der vor Jahren den gleichen Schritt wie Sie, seinerzeit allerdings nach Lemgo, gemacht hat und inzwischen Nationalspieler und Europameister geworden ist?

Nein, leider nicht.

Wäre er ein guter Ansprechpartner für Sie?

Na klar. An ihm könnte ich mich auf meinem weiteren Weg bestimmt gut orientieren.

Hand aufs Herz: Haben Sie ein bisschen Angst vor der Zukunft?

Ich gehe das zuversichtlich an. Aber ja, ein bisschen Unbehagen habe ich schon, wenn ich von zu Hause und auch von meiner Freundin wegziehe. Es ist schon ein schwieriger Schritt. Ich denke da jedoch positiv.

Mit welchen Erwartungen gehen Sie denn nach Berlin?

Ich hoffe auf eine gute handballerische Ausbildung und darauf, dass ich mich weiterentwickeln und an meinen Schwächen arbeiten werde. Und natürlich, dass ich auch beruflich Fuß fassen kann.

Die Stadt selbst ist ja auch nicht ganz langweilig.

Ja, eine Millionenstadt – nicht so beschaulich wie Bremen. Aber ich werde erst mal wohl nicht so viel Zeit damit verbringen, Berlin zu erkunden.

Was erwarten die Füchse von Ihnen?

Dass ich zuverlässig bin, bei der Arbeit gut funktioniere – aber das ist ja selbstverständlich.

Und beim Handball?

Dass ich mich immer voll reinhaue und alles gebe, um besser zu werden. Wenn mir das gelingt, werde ich bestimmt auch viel zurückbekommen.

Haben Sie über derartige Dinge schon vor Vertragsabschluss gesprochen?

Ja, natürlich. Und dabei haben wir auch über die künftigen Tagesabläufe gesprochen.

Zurück zum Sport: Sie haben schon Drittliga-­Erfahrung in Habenhausen und Zweitliga-­Erfahrung in Wilhelmshaven gesammelt. Eigentlich dürften Sie auf den Wechsel zur zweiten Mannschaft der Füchse in die 3. Liga gut vorbereitet sein.

Ja, ich glaube schon. Ich glaube auch, dass ich mich in der 3. Liga gut entwickeln kann und dass es in zwei Jahren hoffentlich zu Höherem reicht. Wäre cool, wenn das in Berlin der Fall wäre. Aber es kann natürlich auch passieren, dass ich in zwei Jahren woanders hingehe.

Vor zwei Jahren haben Sie im WESER-KURIER gesagt, die 1. Bundesliga sei für Sie unrealistisch. Sehen Sie das heute auch noch so?

Nein! Inzwischen habe ich einige Erfahrungen gesammelt und das Zweitliga-Niveau kennengelernt. Ich bin jetzt überzeugt, dass ich es schaffen kann, wenn ich gut arbeite und mich entsprechend entwickle. Ich muss mich eben voll reinhauen.

Woran müssen Sie im sportlichen Bereich noch am meisten arbeiten?

Meine Schwäche ist derzeit das Abwehrspiel. Im Innenblock werde ich noch viel arbeiten müssen. Ich muss vor allem an meiner Kraft und Athletik arbeiten. Irgendwann möchte ich die Gegner in der ersten Liga ja auch aufhalten können. Mit 90 Kilogramm Körpergewicht wie jetzt wird das nichts. Da muss ich noch einiges drauflegen.

Sie haben bei den Füchsen für zwei Jahre unterschrieben. Was möchten Sie bis Juni 2021 erreicht haben?

Dass ich mich im sportlichen Bereich weiterentwickelt habe, dass ich auch zu einem guten Abwehrspieler geworden bin. Und es wäre cool, einige Erfahrungen bei der ersten Mannschaft sammeln zu dürfen.

Sie sagten mal, Sie seien ein Familienmensch. Was werden Sie in Berlin am meisten vermissen?

Meine Freundin auf jeden Fall, meine Geschwister, meine Eltern – wir haben in der Großfamilie mit Onkels, Tante, Cousins und Cousine immer zusammengehalten. Das werde ich sehr vermissen. Aber ich hoffe, dass sie mich auch mal besuchen kommen.

Die Fragen stellte Jörg Niemeyer.

Miro Schluroff (19)

wurde im österreichischen Bregenz geboren, weil sein Vater, der ehemalige Werder-Profi Lars Unger, zu der Zeit für Schwarz-Weiß Bregenz Fußball spielte. Seit 2003 lebt Schluroff in Habenhausen, ist erst dort, später dann an der Ronzelenstraße zur Schule gegangen und hat 2018 Abitur gemacht. Miro Schluroff wechselt zur kommenden Saison zum Handball-Bundesligisten Füchse Berlin.

Ein Habenhauser Junge

Bevor Miro Schluroff sichals Sportler ausschließlich dem Handball widmete, hatte er auch erfolgreich Fußball und Tennis gespielt. Als die zeitliche Belastung zu groß wurde, entschied er sich für Handball. Er durchlief die Altersklassen beim ATSV Habenhausen und spielte zuletzt für den HC Bremen in der A-­Jugend-Bundesliga sowie mit Zweitspielrecht für den Männer-Zweitligisten Wilhelmshavener HV. Mit 162 Treffern war Schluroff in der Bundesliga Nord-Ost zweitbester Torschütze. Außerdem gehörte der 19-Jährige im vergangenen Jahr zum deutschen U 18-Beachhandball-­Nationalteam, das bei der Europameisterschaft in Portugal die Goldmedaille gewann.

Schluroffs Stammposition ist die halblinke Angriffsseite. Bei einer Größe von 1,98 Metern ist er mit seinen 90 Kilogramm Körpergewicht derzeit noch zu leicht, um regelmäßig in der 1. oder 2. Liga zu spielen. Auch deshalb ist der Bremer bei den Füchsen Berlin zunächst für das Drittliga-Team des Vereins vorgesehen. Die Füchse zählen inzwischen zu den besten deutschen Klubs und erreichten in diesem Jahr das Endspiel des europäischen EHF-Pokals, in dem sie dem THW Kiel mit 22:26 unterlagen.

Geschrieben von Jörg Niemeyer, veröffentlicht im Weser Kurier am 28.05.2019

Wir wünschen unserem ehemaligen Jugend- und Herrenspieler für die Zukunft alles Gute!