33:27-Sieg über den TV Cloppenburg macht das Oberliga-Meisterschaftsrennen wieder spannend

Habenhausen. Matthias Ruckh war in bester Laune. Die Augen des Handball-Trainers des ATSV Habenhausen glänzten, seine Mundwinkel tanzten vergnügt. Wen wundert‘s? Schließlich hatte er mit seiner Mannschaft gerade den TV Cloppenburg mit 33:27 (13:14) aus dem Sattel geholt und damit das Meisterschaftsrennen in der Männer-Oberliga wieder spannend gemacht. Freilich aus Eigennutz, denn mit diesem grandiosen Sieg sitzen die Blau-Weißen dem Spitzenreiter nur noch mit zwei Punkten Abstand im Genick.

„Das war geil, das hat richtig Bock gemacht“, jubelte Matthias Ruckh hellauf begeistert. Die Habenhausen-Fans unter den 550 Zuschauern in der Halle sahen es genauso: Sie erhoben sich zwei Minuten vor dem Abpfiff von ihren Plätzen und spendierten ihrer Mannschaft kräftigen Applaus. „Unsere Zuschauer waren einfach sensationell“, lobte der ATSV-Coach die Unterstützung von der prall gefüllten Tribüne. „Wo wir doch sonst zu Unrecht über die Stimmung in unserer Halle belächelt werden.“

Den Zuschauern in der Hinni-Schwenker-Halle wurde aber auch beste Handballkost geboten. Von packenden Zweikämpfen über tolle Treffer und großen Torwartparaden bis hin zum kräftigen Nervenkitzel war im Topkracher alles enthalten, was zu einem attraktiven Match dieser Klasse gehört. Ob die Hausherren zusätzlich dadurch beflügelt wurden, dass ihr abgeschotteter Hallentrakt mit ihren Fotos und mutmachenden Sprüchen vollgepflastert war?

Die helfen auf alle Fälle nichts, wenn dazu nicht auch das Zielwasser gereicht wird. Daran hatten die „Habenhauser Jungs“ zunächst wohl eher nur genippt, denn sie waren schon beim 3:7-Auftaktrückstand sechsmal innerhalb der ersten elf Minuten am Cloppenburger Schlussmann Nils Buschmann gescheitert – aus besten Lagen. „Machen wir davon nur ein paar rein, dann liegen wir zur Pause vorn“, bemängelte Matthias Ruckh. Nun taten das seine Männer im auf sportdeutschland.tv übertragenen Kracher aber einmal nicht.

Dafür läutete Ruckh beim Vier-Tore-Rückstand die Trendwende ein, in dem er René Steffens zwischen seine Pfosten stellte. Der knöpfte dem Spitzenreiter von nun ab mit 41 Prozent gehaltener Bälle bis um Seitenwechsel und später auch darüber hinaus den Schneid ab. Der Mann mit der Glatze und dem markanten Bart wollte davon nichts wissen. „Zu halten, das ist mein Job. Und wenn meine Zweimeter-Männer im Block vor mir Beton anrühren, dann macht mir das die Sache leichter“, gab er die Blumen umgehend weiter.

Die gehörten freilich auch Linksaußen Luc Schluroff, der mit elf Toren aus allen Lagen traf. „Es hat bei mir einfach alles gestimmt“, strahlte er. Ihm kam dabei besonders zugute, dass der TVC mit einer äußerst offensiven 4:2-Verteidigung zu Werke ging, wodurch viel Platz für die Außen entstand. „Luc hat überragend gespielt und für seine 19 Jahre unfassbar viel Verantwortung übernommen“, fand Ruckh.

Dem ATSV-Coach kam es zupass, dass seine Mannschaft zwar immer mehr aufholte, aber mit einem hauchzarten Rückstand in die Halbzeitbesprechung ging. „Das war besser so, der hat uns wachgerüttelt“, dozierte er. Tatsächlich legte seine Mannschaft im zweiten Spielabschnitt noch eine Schippe drauf und drehte den Spieß durch einen Sprungwurf von Luc Schluroff und einen Konter von Hauke Marien erstmals nach dem 2:1 zum 14:13 um.

Einen Ball in Bedrängnis zu Lino Hintke zu passen, geht immer. So lautete schließlich das Rezept der Hausherren in der heißen Schlussphase ab dem 25:24 von Janik Schluroff (49.). Der kräftige Kreisläufer Hintke („Das war mein bestes Saisonspiel“) wurde wechselseitig von Björn Wähmann, Lukas Feller sowie Janik Schluroff bedient und wuchtete fünf Würfe innerhalb von acht Minuten fehlerfrei zum 32:26-Vorsprung ins TVC-Netz. Neben einer ATSV-Abwehr, die die Niedersachsen immer wieder in ungünstige Wurfpositionen zwang, war das der endgültige Schlüssel zum groß umjubelten Erfolg.

Viel Zeit zum Freuen bleibt dem Tabellenzweiten nicht: Er muss am Sonntag um 17 Uhr beim TV Bissendorf-Holte ran, der nach drei hauchdünnen Niederlagen in Topspielen gegen Delmenhorst (26:27), Cloppenburg (28:30) und Schwanewede/Neuenkirchen (31:32) vorübergehend auf den achten Rang abgeschmiert ist (10:8 Punkte). Bei dem müssen die Blau-Weißen jetzt im Meisterschaftsrennen tunlichst nachlegen.

ATSV Habenhausen: Sommerfeld, R. Steffens; Fischer, B. Wähmann (6), Meier (2),
J. Schluroff (4), L. Schluroff (11), Rojahn, Marien (3), Hintke (6), Ahrens, Feller, M. Wähmann (1).

„Unsere Zuschauer waren einfach sensationell.“

Habenhausens Trainer Matthias Ruckh

Verfasst von Olaf Kowalzik und veröffentlicht am 28.11.2019 im Weser Kurier