Habenhausens Handballtrainer Matthias Ruckh vor dem Schlagerspiel gegen Cloppenburg im Interview

Herr Ruckh, an diesem Sonntag erwarten Sie um 17 Uhr mit dem ATSV Habenhausen den ungeschlagenen Spitzenreiter TV Cloppenburg zum Topspiel am Bunnsackerweg. Danach geht es gegen den TV Bissendorf-Holte und den VfL Fredenbeck weiter. Das werden knallharte Wochen für Sie und Ihr Team.
Matthias Ruckh: Das stimmt. Gerade deshalb ist es gut, dass wir vorher ein freies Wochenende hatten und uns noch ein paar individuelle Dinge erarbeiten konnten.

Sind Sie vor den Aufgaben nervös?
Angespannt trifft es besser. Denn jetzt kommen die Wochen, die uns das Leben leichter oder eben auch schwerer machen können.

Bei einer Niederlage gegen Cloppenburg würde der Rückstand auf die Niedersachsen sechs Punkte betragen.
Stimmt, aber zu Hause sind wir gerade gegen solch einen Gegner ohnehin in der Pflicht. Da es in der Liga aber dieses Mal nicht so einen Überflieger gibt wie zuletzt den OHV Aurich, kann noch ganz viel passieren.

Wenn Sie 2022 in der dritten Liga in der Spitzengruppe mitmischen wollen, dann sollten Sie in dieser Saison aber tunlichst aufsteigen.
Das mit der Spitzengruppe stimmt nicht so ganz: Wir wollen uns dann für den DHB-Pokal qualifizieren, und dafür muss man in der dritten Liga nach jetzigem Stand unter den ersten sechs Mannschaften landen.

Dazu bedarf es aber schon einer vorherigen Akklimatisierung in der dritten Liga, wodurch ein Aufstieg in dieser Saison wohl die beste Voraussetzung wäre.
Das ist unsere Grundidee, unsere Vision, auf die wir hinarbeiten. Da sind natürlich Verschiebungen möglich; sowohl nach vorne als auch nach hinten.

Zurück zum TV Cloppenburg: Der wird mit reichlich Fans in ihre Halle kommen . . .
Stimmt, deshalb rate ich jedem, nicht erst zehn Minuten vor dem Anpfiff in der Halle zu erscheinen. Im Spiel wird auf beiden Seiten bis zum Umfallen gekämpft. Und es gewinnt derjenige, der das Maximum auf die Platte bringt.

Wäre da nicht vorher ein letzter Praxistest in Form eines Pflichtspiels gut gewesen?
Diese einwöchige Ruhepause bringt uns nicht aus dem Rhythmus, im Gegenteil. Denn dadurch können meine Spieler noch einmal durchatmen und ihre Blessuren vom Auftritt in Hatten-Sandkrug auskurieren.

Ihre Mannschaft bekam gerade eine knapp dreistündige Abwehr-Sondereinheit vom international anerkannten Trainer Frank Nörenberg verpasst. Welche Erkenntnisse haben Sie daraus gewonnen?
Es ist erfrischend zu sehen, wie andere Nationen verteidigen, wie diese ihre Deckungsaufgaben lösen.

Das Problem des ATSV Habenhausen ist aber doch beileibe nicht die Abwehr.
Das stimmt in dieser Saison sicherlich. Das war es aber seinerzeit auf jeden Fall in der dritten Liga, als in der Deckung eine zweite Variante gefordert wurde. Wir arbeiten langfristig auf eine aktive Abwehrvariante hin. Dabei unterstützt uns vereinsintern einmal die Woche der frühere Bremer Landestrainer Thomas Krüger. In der Vorbereitung auf die kommende Saison wird das Thema sicherlich einen noch größeren Platz einnehmen.

Im Angriff muss aber erst recht einiges passieren.
Hier wollen wir dynamischer werden. Wir verfügen meiner Meinung nach mit Luc Schluroff, Tim Steghofer, Mirko Ahrens und Lukas Ole Müller auf der linken sowie mit Hauke Marien und Felix Meier auf der rechten Seite über die sechs besten Außen der Liga. Die müssen wir noch mehr ins Spiel bringen und dadurch zu einfachen Toren kommen. Überhaupt wollen wir über die komplette Spielzeit noch flüssiger angreifen. Auch daran arbeiten wir auf lange Sicht, da sich diese Vorhaben sowohl in der Abwehr als auch im Angriff nicht auf Anhieb umsetzen lassen.

Und die Dauerbaustelle im rechten Rückraum? Dort fehlt immer noch mindestens ein Linkshänder.
Wir arbeiten daran und befinden uns mit zwei Kandidaten in guten Gesprächen. Wir hoffen auf Vollzug entweder in dieser oder der kommenden Saison.

Ähnliches hat man auch schon von Ihren Vorgängern gehört.
Das stimmt, aber wir waren noch nie so weit dran wie jetzt.

Im bisherigen Saisonverlauf tat die 21:30-Niederlage gegen die HSG Barnstorf/Diepholz nicht Not und vor allem richtig weh.
Ja, die musste nun wirklich nicht sein und hat mir zwei, drei schlaflose Nächte bereitet. Mehr ist es aber auch nicht. Es ist eben nur eine Niederlage, und die muss man akzeptieren – Punkt.

Wer und was hat Sie an Ihrem Team bislang überrascht?
Neuzugang Lino Hintke vom Verbandsliga-Absteiger TV Langen, der Woche für Woche einen guten Eindruck hinterlässt. Auch der Bundesliga-A-Jugendliche Thies Hermann vom HC Bremen, der nach gefühlt eineinhalb Trainingseinheiten mit dem Team zweimal solch gute Leistungen abgerufen hat. Überhaupt ist es enorm, wie meine Mannschaft in eineinhalb Jahren bei allen bisherigen Neuerungen mitzieht. Und wie schnell und gut die Neuzugänge integriert worden sind, ist einfach top.

Das hört sich ja fast so an, als ob Sie rundum glücklich wären.
Wenn wir an diesem Punkt wären, wäre es für mich ein schöner Moment. So weit sind wir aber lange noch nicht. Wir müssen im Angriff auch noch am Über- und Unterzahlspiel arbeiten, aber das ist nur eine Frage der Zeit.

Wo steht der ATSV Habenhausen am Ende der Saison?
(überlegt etwas länger) Auf dem Platz, für den wir unseren Einsatz gezeigt haben. Wir wollen dann an der Tabellenspitze stehen, müssen dafür aber viel investieren.

Und wenn es trotzdem nicht zum Aufstieg reicht?
Dann machen wir weiter. Das ändert nichts an unseren Visionen und Zielen, wir geben nicht klein bei.

Das Interview führte Olaf Kowalzik.

Matthias Ruckh (37) ist im zweiten Jahr Handball-Trainer des Männer-Oberligisten ATSV Habenhausen. Der Enkel des früheren Bundesliga-Managers des TV Grambke, Detmar von Salzen, führte die Blau-Weißen in der vergangenen Saison auf

Anhieb zum Gewinn des deutschen Amateurpokals.

Verfasst von Olaf Kowalzik und veröffentlicht am 21.11.2019 im Weser Kurier