Abwehrchef fällt mit Nasenbruch wochenlang aus – Habenhausen feiert noch 37:27 über Delmenhorst

Habenhausen. Habenhausens Trainer Matthias Ruckh legte nach dem 37:27 (14:17)-Heimsieg über die HSG Delmenhorst die Stirn in Falten. „Ich weiß gar nicht, wann wir zur Pause einmal 17 Gegentreffer kassiert haben“, sagte er. Das konnte er auch gar nicht wissen, denn es war in seiner eineinhalbjährigen Amtszeit beim Handball-Oberligisten zuvor ja noch nie passiert. Selbst im DHB-Pokal hatten sich die „Habenhauser Jungs“ vom aktuellen Bundesliga-Zweiten TSV Hannover-­Burgdorf nur 16 Tore einschenken lassen. Es handelte sich also unter seiner Regie eindeutig um ein Novum.

Und zwar um eins, auf das er gut und gerne verzichtet hätte. Auch wenn es ihm und den drei anderen Offiziellen auf der Bank drei Euro Strafe in die Mannschaftskasse ersparte. Die muss vom Trainerteam berappt werden, wenn die eigene Mannschaft im gesamten Spiel weniger als 23 Gegentreffer kassiert, was in dieser Saison immerhin sechsmal vorgekommen war. „Es ist für mich als Trainer der einzige Beitrag, den ich aus dem Strafenkatalog gerne bezahle“, erklärte Matthias Ruckh.

Die wackelige Verteidigung im ersten Durchgang hatte aber auch einen Grund, da der Abwehrchef Fabian Rojahn mit einer gebrochenen Nase ausgefallen war. Er hatte beim Montagstraining einen Wurfarm voll im Gesicht abbekommen, so dass sie operativ gerichtet werden musste. „Wir müssen etwa vier bis sechs Wochen auf ihn verzichten“, gab Ruckh zu Protokoll. Die zwei Trainingseinheiten bis zum ersten Auftritt des neuen Jahres genügten kaum, um den ausgewiesenen Deckungsspezialisten zu ersetzen. „Fabi ist im Abwehrzentrum optimal mit Björn Wähmann eingespielt. Beide haben ihre genauen Absprachen und spezifischen Aufgaben“, erklärte der ATSV-Trainer.

Bis zum 6:3 von Felix Meier konnten die Blau-Weißen den Ausfall offenbar verkraften, danach ließen sie zu oft das lange Kreuzen des HSG-Spielgestalters „Fino“ Oetken zu, womit der seine Halbangreifer Jörn Janßen (7 Tore), Tim Coors (3) oder Lennart Witt (6) gut in Stellung bringen konnte. Björn Wähmann und der ATSV-Schlussmann Daniel Sommerfeld wurden da von ihren Mitspielern zu oft alleine gelassen, weshalb die Zornesader des Habenhauser Übungsleiters kräftig anschwoll. Denn sein Team geriet über 8:10 bis zum 14:17-Halbzeitstand auf die Verliererstraße. Mit seinem Angriff war Matthias Ruckh indes zufrieden: „15 Tore sind okay“, fand er.

In der Pausenbesprechung fand er offenbar die richtigen, klaren Worte, da sein Team danach nur noch zehn weitere Gegentreffer zuließ. „Meine Spieler haben zusammen gefightet und ihre Aufgaben erfüllt“, lobte er. Mirko Ahrens verteidigte dabei auf der Halbposition gut und präsentierte sich auf Linksaußen sicher im Torabschluss, im Tor konnte sich René Steffens hinter einer verbesserten Abwehr leichter auszeichnen als sein Vorgänger. Elf verschiedene Torschützen zeugten von einem sehr ausgeglichenen Gastgeber, der sich nach dem 18:17 vorentscheidend auf 25:19 absetzte (43.). Das konnten die Delmestädter auch mit einer doppelten Manndeckung nicht mehr ins Wanken bringen.

Die Südbremer zogen damit an Pluspunkten mit dem Spitzenreiter TV Cloppenburg gleich, weisen aber zwei Minuszähler mehr auf. „Es ist wichtig, dass wir den Druck auf Cloppenburg aufrechterhalten. Er soll merken, dass wir da sind“, betonte Matthias Ruckh. Er will mit seiner Mannschaft bis zum Saisonende möglichst keine Niederlage mehr kassieren. Zum ersten Rückrundenspiel erwartet der ATSV am Sonnabend um 19.30 Uhr den Tabellenfünften HSG Schwanewede/Neuenkirchen um 19.30 Uhr in der Hinni-Schwenker-Halle. Das Hinspiel war mit 35:22 klar an die aufstiegswilligen Blau-Weißen gegangen, mittlerweile hat sich der niedersächsische Liga-Novize aber in der neuen Spielklasse gut akklimatisiert. Brisanz bekommt das Duell aber erst dadurch, dass Matthias Ruckh, Daniel Sommerfeld, René Steffens, Lino Hintke, Mirko Ahrens und Lukas Feller zuvor selbst bei den „Schwänen“ gespielt haben. Da schon im Hinspiel 120 ATSV-Fans in sie sogenannte „Heidehölle“ gefahren waren, rechnet er mit einer gut gefüllten Halle. Wer das Spiel nicht live verfolgen kann, der kann im Internet auf „Sportdeutschland.tv“ zusehen.

ATSV Habenhausen: Steffens, Sommerfeld; Fischer (2), B. Wähmann (2/1), Meier (2), J. Schluroff (4), L. Schluroff (2), M. Wähmann (8/2), Marien (3), Hintke (3), Ahrens (4), Feller (6), Hermann (1).

Verfasst von Olaf Kowalzik und veröffentlicht am 16.01.2020 im Weser Kurier