Habenhausen II, SVGO und Woltmershausen profitieren – Aufsteiger durch Quotientenregelung ermittelt

Bremen. Die Handballverbände Bremen (BHV) und Niedersachsen (HVN) haben per Telefonkonferenz einen klaren Schlussstrich gezogen. Sie brechen die Saison 2019/20 aufgrund der Folgen der Corona-Pandemie in allen Spielklassen ab. Die gute Nachricht daran für alle Teams, die von der Oberliga an abwärts um den Klassenerhalt gebangt haben: „Es wird keine Absteiger geben“, erklärt Jens Schoof, Vizepräsident Spieltechnik beim BHV und HVN. Die Aufsteiger werden wiederum nach den am 12. März dieses Jahres eingefrorenen Tabellenständen über die sogenannte Quotientenregelung ermittelt.

Nutznießer des Absteigerverzichts sind einige hiesige Teams. Allen voran die Verbandsliga-Männer des ATSV Habenhausen II, die sich als Tabellenletzter direkt im Fahrstuhl zur Landesliga befanden. „Sportlich gesehen war das sicherlich unsere Rettung, auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass wir die Saison zu Ende gespielt hätten“, sagte ATSV-Trainer Philipp Grieme. Ihm sei klar gewesen, dass er es mit seiner jungen Mannschaft schwer haben würde. „Jetzt wissen alle, was in der nächsten Saison auf sie zukommt“, fährt er fort. Sein Team soll aber auch künftig im Rückraum und auch im Abwehrzentrum gezielt verstärkt werden.

Relegation umgangen

In der Männer-Landesliga atmen mit dem TS Woltmershausen (Vorletzter) und dem SV Grambke-Oslebshausen (Drittletzter) zwei Bremer Teams auf. Der Aufsteiger aus Pusdorf hatte zum Jahreswechsel mit einigen Langzeitverletzten zu kämpfen, was teilweise zu einem knappen Kader und wichtigen Punktverlusten führte. Vorher hatte der TSW unter anderem mit dem 25:24-Heimsieg gegen den Meister und Verbandsliga-Aufsteiger TV Oyten seine Qualität unter Beweis gestellt. „In der kommenden Saison werden wir mit den Rückkehrern alles daran setzen, die Klasse zu halten“, betont der Mannschaftssprecher André Mester. Der SVGO kommt um die Relegation herum, zu großen Luftsprüngen verleitet das dessen Trainer Marcel Hägermann aber nicht. „Wir waren auf einem guten Weg und hatten ein gutes Programm“, sah er in seinem Team noch reichlich Endspurtpotenzial.

Bei den Frauen dürfen die auf den Abstiegsplätzen stehenden TuS Komet Arsten II und SG Arbergen-Mahndorf (SGAM) eine weitere Saison in der Landesklasse planen, wenn sie denn wollen. Daniel Jendrek, Trainer des Vorletzten SGAM, ist noch zwiegespalten. Einerseits sei die Saison aufgrund von Verletzungen ohnehin nicht gut gelaufen, sodass sein Team in der Spielzeit 2020/21 mit mehr personellen Alternativen noch einmal richtig ­angreifen könnte. „Andererseits wird die Landesklasse nach der kommenden Saison gestrichen. Da könnten wir die jüngeren Spielerinnen auch gleich in der Bremenliga weiterentwickeln und die älteren entlasten“, zählt er den Vorzug der zweiten Variante auf. Eine endgültige Entscheidung darüber, in welcher Liga das Team an den Start gehen wird, werde aber wohl erst im Mai fallen, so Daniel ­Jendrek.

Das Schlusslicht TuS Komet Arsten II wird in der Serie 2020/21 auf jeden Fall wieder in der Landesklasse einsteigen. „Sobald die Corona-Krise vorbei ist, werden wir mit dem Team und allen Aushilfen der Saison erst einmal eine Party machen“, verspricht die Trainerin Sandra Gräfe. Danach gibt sie ihr Amt an Thorsten Mattfeld (kommt von der SG Arbergen-Mahndorf) ab, der dann wieder auf eine Mischung von jungen und erfahrenen Spielerinnen zurückgreifen kann.

Aber was ist die Quotientenregelung, die über die einzelnen Platzierungen und damit auch über die Aufstiegsplätze entscheidet? Sie bedeutet, dass die bis zum Saisonstopp am
12. März erspielten Pluspunkte durch die Anzahl der bis dahin durchgeführten Pflichtspiele geteilt werden. Je höher der Wert, desto besser die Platzierung. Jens Schoof: „Bei gleichem Quotienten ziehen wir für die Wertung den direkten Vergleich heran.”

Großer Nutznießer von Letzterem sind die Oberliga-Männer des ATSV Habenhausen, die aufgrund des 33:27-Heimsieges gegen den punktgleichen Zweiten, TV Cloppenburg, in die dritte Liga aufsteigen (wir berichteten). Bei ihnen bewahrheitete sich damit die ungeschriebene Regel, dass die deutschen Amateurpokalgewinner bis auf eine Ausnahme gleich im Folgejahr in die dritte Liga aufgestiegen sind. Der ATSV-Trainer Matthias Ruckh löste noch am Tag der Aufstiegsverkündung seine Wettschuld ein und stutzte kräftig seine Haarpracht auf dem Kopf und im Gesicht. Groß zittern mussten die Landesklasse-Frauen des HC Bremen sowie die beiden Bremenliga-Spitzenreiter SV Grambke-Oslebshausen (Männer) und SG Findorff III (Frauen) nicht, da ihr Vorsprung auf die Konkurrenz komfortabel ist. Dafür fällt bei ihnen nun der finale Triumphmarsch durch die Hallen in Richtung höhere Liga aus „Aufsteigen fühlt sich eigentlich anders an“, urteilt der SVGO-Trainer Jörg Rutenberg. „Wir hätten die Saison gerne noch zu Ende gespielt und danach bei mir auf der Diele gefeiert“, schiebt er hinterher.

Dritter Aufstieg in Folge

Das aus einigen ehemaligen Oberligaspielerinnen bestehende Team von Findorff III wird den dritten Aufstieg in Folge selbst nicht komplett genießen. „Die neue Landesklasse-Mannschaft wird aus dem Pool der zur Verfügung stehenden Spielerinnen aus unseren vier Frauenteams und aufrückenden A-Jugendlichen gebildet“, verrät Annika Bartels. Sie selbst wird, wie auch ihre routinierten Mitspielerinnen im Meisterteam, weiter in der Bremenliga an den Start gehen.

Die dritte Frauenvertretung des SV Werder Bremen (24:8 Punkte) überholt durch die Quotientenregelung den Landesliga-Primus HSG Bützfleth/Drochtersen (25:11 Punkte) und fährt damit den Meistertitel ein. Aufsteigen darf das Team von Trainer Malte Rogoll aber trotzdem nicht, weil eine Klasse höher bereits das zweite Team der Grün-Weißen in der Oberliga spielt.

Pech haben zu guter Letzt die Männer der SG Findorff in der Landesklasse, da sie aufgrund eines weniger ausgetragenen Spiels zwei Pluspunkte weniger als der Aufsteiger TuS Zeven aufweisen. Hätten die vom Verletzungspech gebeutelten „Füchse“ in ihren letzten drei Begegnungen nur einen ihrer vier abgegebenen Punkte behalten, dann wären sie in die Landesliga marschiert. „Das ist für uns natürlich bitter, letztendlich sind wir aber auch für unser Punktekonto selbst verantwortlich“, sagt der SG-Trainer Thorsten Terborg. „Die Quotientenregelung gilt unter den Mitgliedern des Präsidiums als fairste Regelung”, schließt der HVN-Präsident Stefan Hüdepohl ab. Die Entscheidung sei im Präsidium einstimmig ausgegangen, unterstreicht der 46-jährige Rechtsanwalt aus Uelzen.

Den Meldeschluss für die Saison 2020/21 setzen der BHV und der HVN voraussichtlich auf den 15. Mai fest. Der Termin für den Beginn der Qualifikation im Jugendbereich wird auf die Zeit nach den Sommerferien verschoben. Den Modus und die Staffeleinteilungen und -größen für die Qualifikation und die Saison wollen die beiden spieltechnisch zusammenarbeitenden Verbände schnellstmöglich bekannt geben.

Verfasst von Olaf Kowalzik und veröffentlicht am 16.04.2020 im Weser Kurier