Der ATSV Habenhausen nutzt den günstigen Moment

Drittliga-Aufsteiger holt das nächste Talent

Der nächste Zugang, der dem Aufsteiger ATSV Habenhausen in der 3. Handball-Liga zum Klassenerhalt mitverhelfen soll: Bjarne Budelmann (links), bisheriger Spielmacher und Torjäger der Bundesliga-A-Jugend des HC Bremen, und ATSV-Teammanager Thomas Hasselmann. (Marius Brandt)

Der Auftakt ist schon mal vielversprechend verlaufen. „Der Medizincheck war eine coole Erfahrung, so etwas kannte ich bisher noch nicht“, sagt Bjarne Budelmann. Wenn es nach dem Willen des 19-jährigen Rechtshänders geht und nach der Einschätzung derjeniger, die sich seine Dienste sichern wollen, dürfte es nicht die letzte medizinische Untersuchung gewesen sein, der sich das große Bremer Handball-Talent vor einem Vereinswechsel unterzogen hat.

Aktuell haben die Verantwortlichen des Drittliga-Aufsteigers ATSV Habenhausen das Rennen gemacht. Sie freuen sich riesig, Bjarne Budelmann an sich gebunden zu haben. Zunächst zwar nur für ein Jahr plus ein Jahr Option, aber wer weiß das am Ende schon so genau? „Ich schließe eine längere Zeit bei uns mit ihm nicht aus“, sagt Trainer Matthias Ruckh, auch wenn da möglicherweise der Wunsch der Vater des Gedankens ist. Es wäre ja traurig, wenn ein ambitionierter Bremer Klub kein grundsätzliches Interesse an einem Talent hat, das in Arbergen aufgewachsen und damit ein richtiger Bremer ist.

Aber beim ATSV geben sie sich keinen Illusionen hin: Wäre die Corona-Pandemie nicht ausgebrochen, wäre Bjarne Budelmann auch niemals in Habenhausen gelandet. „Ich hätte gar nicht gewagt, so einen Spieler anzurufen, obwohl er gerade erst aus der Jugend herauskommt“, sagt ATSV-Teammanager Thomas Hasselmann. In normalen Zeiten hätte ein Anruf auch zu nichts geführt, denn eigentlich war sich Bjarne Budelmann schon mit einem Zweitligisten einig, wie der Spieler selbst sagt. Jener Zweitligist sei wegen Corona jedoch in finanzielle Not geraten, sodass der Vertrag am Ende nicht geschlossen wurde.

Da Bjarne Budelmann Klient der Bremer Sportlerberatungsfirma Sports Impuls um Geschäftsführer Sören Gerster ist, waren die Chancen für einen Bremer Klub dann aber nicht mehr ganz so gering. Hasselmann unterbreitete dem Spieler in einer wegen Corona für alle Seiten schwer zu planenden Situation ein Angebot, das nicht so lukrativ, dafür aber sicher sein soll. Und es bietet dem Bremer die Möglichkeit, in seiner Heimatstadt den nächsten Entwicklungsschritt zu gehen. „Ich bin froh, dass es zu dieser Lösung gekommen ist“, sagt Bjarne Budelmann. Sein klares Ziel hat er allerdings weiter fest vor Augen: Er möchte Profi werden und den Sprung in die 1. Bundesliga schaffen.

Dass der 19-Jährige ein weiteres Jahr in Bremen bleibt, passt ihm nun auch beruflich ganz gut. Denn um sein Fachabitur zu bekommen, möchte er demnächst ein dafür notwendiges praktisches Jahr beginnen. Dafür muss er nicht umziehen, jetzt bleibt ihm sein soziales Umfeld erhalten. Nicht die schlechteste Voraussetzung, um sich im Herrenbereich einzuleben. „Körperlich werde ich wohl noch ein bisschen zulegen müssen“, sagt Budelmann. Sein künftiger Trainer zweifelt aber nicht daran, dass es der Mittelangreifer einigermaßen problemlos schaffen wird.

Der nächste Zugang, der dem Aufsteiger ATSV Habenhausen in der 3. Handball-Liga zum Klassenerhalt mitverhelfen soll: Bjarne Budelmann (links), bisheriger Spielmacher und Torjäger der Bundesliga-A-Jugend des HC Bremen, und ATSV-Teammanager Thomas Hasselmann. (Marius Brandt)

„Bjarne ist schon ziemlich weit für sein Alter“, sagt Matthias Ruckh, der das Talent seit Jahren beobachtet. Wer in der A-Jugend-Bundesliga gegen etliche Nachwuchs-Teams von Erstligisten so torgefährlich sei und außerdem die eigene Mannschaft so gekonnt führe, verfüge schon über einige Qualitäten. „Er hat das Spiel seiner Mannschaft sehr schlau dirigiert“, sagt der 38-Jährige. Nur mit der Robustheit der Spieler sei es bei schwächeren Jugend-Bundesligisten so eine Sache. „Da wird nicht immer so viel Wert auf die Abwehrarbeit gelegt.“

Matthias Ruckh ist vom Können des 19-Jährigen voll überzeugt. Trotz seiner für einen Rückraumspieler eher bescheidenen 1,76 Meter Körpergröße glänze Bjarne Budelmann als Ballverteiler nicht nur mit seiner Übersicht, sondern strahle auch enorme Torgefahr aus. Oft erzielte der Mittelmann für den HC in der Bundesliga mehr als zehn Treffer pro Partie – das hebt einen Spieler, erst recht den eines so kleinen Vereins, deutlich hervor. Budelmanns Stärken als Torschütze sind seine Gewitztheit in den Mann-gegen-Mann-Situationen und sein gewaltiger Schlagwurf.

Der ATSV Habenhausen wird nach dem SV Werder und dem HC Bremen die dritte Station des Handballers. Es könne schon sein, dass es nur eine Zwischenstation werde. Aber darüber macht sich Bjarne Budelmann derzeit keine Gedanken. Er möchte sich beim Drittliga-Neuling selbst weiter entwickeln und hofft auf möglichst viele Spielanteile. „Letztlich muss ich mich überall beweisen“, sagt er. Soll heißen: Nur wenn er Leistung zeigt, könnte es mit der angestrebten Karriere etwas werden. Sein künftiger Trainer sagt, die könne er beim ATSV in Ruhe angehen. „Er wird bei uns keinen Druck haben“, meint Matthias Ruckh – auch deshalb nicht, weil das Team gut besetzt sei. Mit Janik Schluroff werde Budelmann auf der Spielmacherposition ein starkes Gespann bilden.

Mit der jüngsten Verpflichtung vergrößerte der ATSV Habenhausen seinen Kader auf 17 Akteure. Ein weiterer, so sagt Thomas Hasselmann, solle noch dazu kommen. „Wir stehen in Gesprächen“, sagt Matthias Ruckh und glaubt, dass der Verein schon bald den Vollzug des nächsten Wechsels bekanntgeben werde. Mit dem 21-jährigen, wurfgewaltigen Linkshänder Martin Vulic hatte sich der Klub Ende März bereits seinen Wunschspieler für die neue Saison geholt.

Zur Sache

3. Liga spielt mit 18 Mannschaften

Für Matthias Ruckh wird es höchste Zeit, dass es bald wieder losgehen kann. „Mich nervt das In-den-Tag-hinein-Leben“, sagt der Trainer des ATSV Habenhausen, und deshalb plant er die Vorbereitung auf die kommende Drittliga-Saison, auch wenn noch niemand weiß, wann wieder Handball gespielt werden kann. Am 6. Juni wird er seine Spieler zum Trainingsauftakt bitten. Klar ist inzwischen, dass die vier 3. Ligen bei den Männern statt mit 16 mit jeweils 18 Teams spielen werden. Am 15. Mai war Meldeschluss, an diesem Dienstag sollen die Vereine inklusive der Nachrücker informiert werden. Sehr wahrscheinlich wird auch der Habenhauser Oberliga-Konkurrent TV Cloppenburg, der den direkten Aufstieg wegen der Niederlage gegen den ATSV verpasste, den Sprung noch schaffen. Die Staffeleinteilung soll im Juni erfolgen.

Veröffentlicht im Weser Kurier am 18.Mai 2020. Geschrieben von Jörg Niemeyer