Dennis Summa komplettiert Habenhausens Kader

Bremen. Das fängt schon mal gut an. Dennis Summa setzt gleich nach seiner Ankunft beim ATSV Habenhausen ein Zeichen, was sein neuer Verein von ihm erwarten darf: einen Spieler mit Führungsanspruch. Der 26-Jährige ist der dritte hochkarätige Zugang des künftigen Handball-Drittligisten. Noch bevor er sich am Montag dieser Woche dem obligatorischen Fitnesstest des Aufsteigers unterzog, hatte sich der Student mit Martin Vulic getroffen, einem weiteren ATSV-Neuling, der seit knapp zwei Monaten in Bremen lebt. Summa frühstückte mit Vulic und zeigte dem 21-jährigen Kroaten anschließend die Stadt.

„Das ist mir ganz wichtig“, sagt Dennis Summa, „fühlst du dich wohl, spielst du auch besser.“ Er weiß, wovon er spricht, denn in seiner bisherigen Karriere hat er selbst so manchen Ortswechsel erlebt. Und dann sei es gut, wenn man als Fremder an die Hand genommen werde. Nun haben die Habenhauser Dennis Summa nicht als Fremdenführer unter Vertrag genommen, doch der ATSV-Teammanager ist vom Engagement seiner nunmehr letzten Neuverpflichtung sehr angetan. „Dennis ist eine herausragende Persönlichkeit“, sagt Thomas Hasselmann. Und ein Mensch, der viel Wert auf Verbindlichkeit legt.

Dennis Summa betont, dass Geld für ihn im Handball-Geschäft kein entscheidendes Kriterium ist. Es mit dem Sport zu verdienen, sei zwar schön, aber nicht wichtig. Er hat in Oldenburg Wirtschaftswissenschaften und Geografie studiert und vor Kurzem seine Bachelorarbeit abgegeben. In Bremen oder in Oldenburg wird Summa im Winter möglicherweise ein Masterstudium antreten. Als Werkstudent beim Bremer Windparkprojektierer und Servicedienstleister WPD hat er Arbeit und Sport unter einen Hut bekommen, er sei „im normalen Leben“ angekommen und lebe es gern.

Man solle nie „Nie“ sagen, doch ein Leben als Vollprofi könne er sich nicht vorstellen. „Ich wollte mich nicht dem Druck aussetzen, mit vielleicht 32 Jahren beruflich bei null anzufangen“, sagt der Handballer. Deshalb hat er immer das Leben nach der Karriere mitgeplant. Und deshalb kann er es sich jetzt auch leisten, finanziell vermutlich lukrativere Angebote auszuschlagen. „Er verzichtet bei uns auf viel Geld“, behauptet Thomas Hasselmann, „weil er von unserem Konzept überzeugt ist.“ Ja, das stimme, bestätigt der 26-Jährige. Deutsche Zweit- und sogar skandinavische Erstligisten seien an ihm interessiert gewesen. Doch nicht zuletzt die Unsicherheit wegen der Corona-Krise und seine Heimatverbundenheit gaben den Ausschlag für Bremen, „obwohl mich das Ausland total gereizt hätte“.

Klar war für Dennis Summa, dass er nach zuletzt zwei Jahren bei der SG VTB/Altjührden keine dritte Saison in Varel dranhängen wollte. „Ich wollte nicht länger in der Oberliga spielen“, sagt er. Kein Wunder: Nach seinen eher ländlichen Stationen bei seinem Heimatverein TSV Ottersberg und dann bei der SG Achim/Baden zog es ihn hinaus in die große Handball-Welt. Als B-Jugendlicher lief Summa für die TSV Hannover-Burgdorf auf, dann wechselte er zum TBV Lemgo. Für dessen Bundesliga-Team bestritt er später Testspiele, gehörte jedoch fest zunächst zur A-Jugend und danach zum Drittliga-Team. Nach einjährigem Gastspiel beim TuS Nettelstedt-Lübbecke kehrte Summa 2014 zum damaligen Drittliga-Aufsteiger SG Achim/Baden zurück, die den gerade 20-Jährigen bereits zum Führungsspieler machte. 2018 folgte der Wechsel zum damaligen Drittligisten SG VTB/Altjührden.

Jetzt also sucht Summa sein Glück beim ATSV Habenhausen. Das Projekt des Klubs, das mit dem Aufstieg in die 3. Liga ja nicht abgeschlossen sein soll, interessiere ihn sehr. „Im Verein hat sich in den letzten zwei Jahren sehr viel bewegt, er ist sehr professionell geworden“, sagt der Spieler. Professionalität bemisst er nicht nur, aber vor allem an der medizinischen Betreuung in Habenhausen. Die Leistungsdiagnostik und Physiotherapie um Marius Brandt sei eine Komponente, die gute Arztanbindung des Klubs eine andere.

Summa legt darauf großen Wert, da er Erfahrungen mit schweren Verletzungen hat. In Lübbecke bremsten ihn schwerwiegende Probleme mit der Achillessehne aus, in Achim zwang ihn eine Schulterverletzung mit notwendiger Operation zu einer langen Pause. Die Karriere war damit zwar nicht beendet, jedoch schwer beeinträchtigt. Nun aber will der Rechtshänder nicht ausschließen, dass sie beim ATSV noch einmal richtig Fahrt aufnimmt. „Wenn für mich die 2. Bundesliga vor der Haustür möglich ist, bin ich der Letzte, der weg ist“, sagt er. Sein Vertrag läuft für ein Jahr plus Option für ein weiteres Jahr. Aber wer weiß: Vielleicht empfehlen sich die Bremer schon bald für weitere höhere Aufgaben.

ATSV-Trainer Matthias Ruckh freut sich jedenfalls, mit Summa nach Bjarne Budelmann und Martin Vulic den dritten Hochkaräter für den Rückraum bekommen zu haben. „Er wird unser Angriffsspiel mächtig ankurbeln“, sagt der 38-Jährige. Mit 112 Treffern war der 1,86 Meter große Dennis Summa in der abgebrochenen Oberliga-Saison siebtbester Torschütze. Er ist schnell und hat seine Stärken sowohl auf der halblinken Angriffsseite als auch in der Mitte. „Ich glaube, dass ich eine Mischung aus gutem Eins-gegen-eins-Spieler und gefährlichem Torschützen bin“, sagt Summa über sich selbst. Zur Freude der ATSV-Verantwortlichen hat er aber auch Qualitäten als Führungsspieler, die ihn offensichtlich nicht nur auf dem Spielfeld auszeichnen.

Veröffentlicht im Sportteil des Weser Kurier am 28.Mai.2020. Geschrieben von Jörg Niemeyer