ATSV Habenhausen feiert seinen zweiten Heimsieg

Drittliga-Aufsteiger überzeugt beim 32:28 gegen die Ahlener SG auch ohne seinen schwer verletzten Kapitän Björn Wähmann.

Bremen. Die Handballer des ATSV Habenhausen befinden sich aktuell in einem ziemlichen Gefühlswirrwarr. Die Bedrohung durch Corona schwebt auch über der 3. Liga Nord-West. Keiner weiß, ob und wann die Pandemie zu einer Saisonunterbrechung führen wird. Trainer Matthias Ruckh glaubt, dass es allzu lange nicht mehr dauern wird. Umso erfreuter ist er, dass seinem Team im zweiten Heimspiel nun der zweite Sieg gelang. 32:28 hieß es gegen die Ahlener SG, die zur Pause noch mit 15:14 geführt hatte. Mit 4:4 Punkten hat der Aufsteiger aus Bremen einen passablen Start hingelegt, obwohl der Coach den beiden abgegebenen Punkten in Baunatal noch hinterhertrauert.

Überzeugte mit acht Treffern gegen Ahlen: Dennis Summa

„Endlich hat auch der Angriff überzeugen können“, sagte Ruckh nach dem Erfolg über Ahlen, dem allerdings eine weitere personelle Hiobsbotschaft vorausgegangen war. Zehn Minuten vor Ende des Abschlusstrainings am vergangenen Donnerstag hatte es Björn Wähmann erwischt: Riss der Strecksehne des Daumens an seiner rechten Wurfhand, Pause vermutlich bis mindestens Januar und möglicherweise die Notwendigkeit einer Operation. Letzteres entscheidet sich an diesem Montag nach weiteren eingehenden Untersuchungen. Nach Mittelangreifer Janik Schluroff (Schlüsselbeinbruch) und Torwart René Steffens (Bandscheibenvorfall) fällt mit dem Kapitän also bereits die dritte ATSV-Stütze langfristig aus, die gleichermaßen wichtig für den rechten Rückraum wie für die Stabilität der Abwehr ist. „Wir hatten keine Möglichkeit mehr, auf diesen kurzfristigen Ausfall im Training zu reagieren“, sagte Matthias Ruckh.

Doch die Ansagen des Trainers vor dem Anpfiff am Sonnabendabend schienen bei seinen Schützlingen auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein. Mehr noch: Der Aufsteiger überraschte mit einer extrem ausgeglichenen Teamleistung. An der waren maßgeblich zwei Akteure beteiligt, die die Erwartungen in den ersten drei Partien noch nicht hatten erfüllen können: Dennis Summa und Martin Vulic. „Wir haben Martin gegen Ahlen einfach ins kalte Wasser geworfen“, sagte Ruckh, nachdem er den Linkshänder im Angriff von Beginn an einsetzte. „Nun hat er den ersten Schritt in die richtige Richtung gemacht.“ Vulic erzielte drei Treffer und könnte sich, wenn er die steigende Tendenz behält, doch zur erhofften Verstärkung entwickeln.

Auch bei Dennis Summa zeigt die Formkurve stark nach oben. Der Mittelmann, immer noch durch seine Schulterverletzung beeinträchtigt, kam erst ab der 40. Minute dauerhaft aufs Feld, nachdem er zu Beginn der zweiten Halbzeit lediglich in der Deckung und bei Siebenmetern zum Zuge gekommen war. Was Dennis Summa für den ATSV wert sein kann, zeigte er in der kurzen Zeit eindrucksvoll: Acht Treffer standen bei ihm schließlich zu Buche – vier aus dem Feld heraus und vier nach vier Siebenmetern.

Die hundertprozentige Quote bei Strafwürfen hatte in der Vorbereitungszeit Bjarne Budelmann gehabt. Doch gegen Ahlen verwarf der 19-Jährige erneut in einem Punktspiel einen Siebenmeter, sodass diesmal Dennis Summa zum Zuge kam und dabei voll einschlug. Wie wichtig Budelmann trotz seines jugendlichen Alters für den ATSV ist, unterstrich Matthias Ruckh noch einmal. „Respekt für seine Leistung“, sagte der Coach. Budelmann spielte in der Abwehr zunächst als Vorgezogener, dann auf der Außenposition und im Angriff in der Mitte, bis ihm sein Trainer endlich die erste verdiente Pause gab.

Umso besser war es dann für die Gastgeber, dass Dennis Summa sofort auf Touren kam. Nach dem 25:23 (48.) traf der Mittelmann bis zur 56. Minute fünfmal in Folge zum 30:26, womit die Partie entschieden war. Bis zum 27:25 (53.) allerdings waren die Ahlener stets auf zwei Tore an die Bremer herangekommen, danach hatten sie keine Siegchance mehr.

In der ersten Halbzeit hatten die Gäste ständig in Führung gelegen, weil der ATSV kein Rezept gegen das Kreisläuferspiel der Ahlener fand. Weil die Bremer oft falsch zu ihrem Gegner standen, kassierten sie gleich neun Siebenmeter, die David Wiencek ausnahmslos verwandelte, und vier Zeitstrafen. Nach dem Seitenwechsel arbeitete die Habenhauser Abwehr dann wesentlich konzentrierter. Die ersten vier Angriffsversuche der Gäste über den Kreis verpufften, sodass der Aufsteiger durch Vulic und Luc Schluroff erstmals mit 16:15 selbst die Führung übernahm und die zwischenzeitlich auf vier Tore ausbaute.

Ausdruck der geschlossenen Teamleistung des ATSV war die Torschützenliste: Gleich sechs Akteure erzielten mindestens drei Feldtore, keiner mehr als vier. Und auch auf der Torwartposition war auf beide Männer wieder Verlass. Daniel Sommerfeld überzeugte bis zur 50. Minute, danach dann Neuzugang Rafal Grzybowski, der in der Schlussminute den zehnten Siebenmeter von Wiencek entschärfte. Es war der passende Schlusspunkt einer Partie, die Matthias Ruckh viel Mut für die anstehenden Aufgaben machte. Am kommenden Sonnabend möchte sein Team gegen die ESG Gensungen/Felsberg in eigener Halle die nächsten Punkte einfahren.

ATSV Habenhausen: Sommerfeld, Grzybowski; Ruthke, Fischer (1), Budelmann (4), Meier (3), L. Schluroff (4), M. Wähmann (1), E. Steffens, Rojahn, Hintke (4), Ahrens (2), Feller (2), Steghofer, Vulic (3), Summa (8/4)

Spielbericht aus dem Weser Kurier

Veröffentlicht im Weser Kurier am 26.Oktober.2020. Geschrieben von Jörg Niemeyer.