Der Kader der SG Achim/Baden schrumpft

Oberliga Nordsee Männer: Gerne hätte die SG Achim/Baden ihr zweites Saisonspiel – für die SG geht es zum ATSV Habenhausen – verlegt. Denn der ohnehin dezimierte Kader wird noch einmal schrumpfen. Laut SG-Trainer Tobias Naumann kamen die Habenhauser dem Wunsch der Achimer aber nicht nach. Und nun müssen Naumann und Co. bei dem Titelkandidaten mit einem kleinen Team auskommen. Neben den Langzeitverletzten wird Torhüter Arne von Seelen definitiv fehlen. Hinter Florian Block-Osmers und Noah Dreyer stehen noch Fragezeichen. Doch auch mit vollem Kader wären die Siegchancen für die SG wohl nur gering. Naumann: „Wir haben nur eine Außenseiterchance, aber auch das ist eine Chance.“ Obwohl die SG den Saisonstart in Hatten (17:28) vermasselt hat, könne sein Team ohne Druck auflaufen. „Denn Habenhausen geht die Saison mit ganz anderen Zielen als wir an“, sagt Naumann.

Anpfiff: Sonnabend um 19.30 Uhr in Bremen

Verfasst von Florian Cordes und veröffentlicht am 12.09.2019 im Weser Kurier

13-Tore-Packung

Schwanewede. Erst versagte die Elektronik, dann die Oberliga-Handballer der HSG Schwanewede/Neuenkirchen: Ihnen wurde das Fell beim Saison-Aufgalopp vom selbst ernannten Meisterschaftsfavoriten ATSV Habenhausen mit 35:22 (20:11) gehörig über die Ohren gezogen. Damit bereiteten die Bremer den „Schwänen“ in der sogenannten „Heidehölle“ bei der Heim-Premiere die Hölle auf Erden. „Das hat unserem Selbstbewusstsein erst einmal einen kräftigen Dämpfer versetzt“, erklärte HSG-Trainer Andreas Szwalkiewicz.

Kurz vor dem Abpfiff spielten sich in der ausverkauften Halle unglaubliche Szenen ab, denn während die rund 120 ATSV-Fans lauthals den „Auswärtssieg“ skandierten, hielt das Schwaneweder Publikum mit einem kräftigen Applaus dagegen: trotz einer 13-Tore-Packung! „Das war eine geile Stimmung, wie sie sonst nur an einem Fantag herrscht“, staunte HSG-Rechtsaußen Tim Paltinat. Doch zum Sieg tragen konnten die „Schwäne“-Fans ihre Lieblinge auf dem Feld nicht.

Los gegangen war die Partie mit einer kleinen Schwaneweder Provokation, denn der Gastgeber verteilte im Publikum nagelneue Pappklatschen mit dem Bild der HSG-Mannschaft aus der Saison 2016/17, auf dem die Habenhauser Matthias Ruckh, Mirko Ahrens, Daniel Sommerfeld, Lukas Feller und Fabian Rojahn allesamt im HSG-Dress abgebildet waren. „Da war der Druckerei ein Fehler unterlaufen“, beteuerte „Andi“ Szwalkiewicz. Na ja, wer’s glaubt . . . „Wegwerfen konnte ich sie ja nun auch wieder nicht“, meinte Szwalkiewicz.

Letztlich erging es dem Gastgeber vor der Pause genauso wie dem Hallensprecher Jan-Peter Lemke: beide hatten ihre Probleme, beide konnten diese nicht lösen. Bei Lemke war es das Notebook, das partout keine Verbindung zum Beamer fand. „Dabei hatten wir das vorher dreimal erfolgreich geprobt“, verriet Jan-Peter Lemke. Daraufhin war die ganze Vorbereitung mit Interviews, Einspieler-Videos und vielem mehr zumindest an diesem Abend schlichtweg für die Katz.

Jan-Peter Lemke lachte diese Schwächen charmant weg. Andreas Szwalkiewicz konnte das nicht. Seine Mannschaft verlor das Torhüter-Duell gegen die ATSV-Keeper Daniel Sommerfeld und René Steffens mit Pauken und Trompeten.

Während „Sommer“ vor der Pause 35 Prozent der gegnerischen Bälle parierte, hielt Niklas Planck den ersten Ball nach sage und schreibe 28,26 Minuten. Vorher war schon bei Jan Tholen nichts zusammengelaufen. Für Marcus Helmke war zu diesem Zeitpunkt bereits kein Platz, um ihn im Spielbericht nachzutragen. Die Schuld konnte aber nicht allein bei den Torhütern gesucht werden, denn die Schwaneweder Abwehr verhielt sich viel zu passiv. „Wir haben Habenhausen nicht frühzeitig attackiert“, bemängelte der Kreisläufer Thorin Helfers. „Wir haben uns einige blöde Treffer eingefangen und mussten uns im Angriff jedes Tor hart erkämpfen“, analysierte der Rechtsaußen Tim Paltinat.

Auch das stimmte. Vorne spielten die „Schwäne“ zwar unheimlich schnell, aber eben völlig wirkungslos in die Breite. Zu selten entwickelte wenigstens Andrej Kunz einen direkten Zug zum Tor, und ein gefährlicher Rückraum-Shooter wie Marc Blum fehlte in der Auftaktphase schmerzlich. Als er beim 5:11-Rückstand das Spielfeld betrat und das Leder gleich mit dem zweiten Ballkontakt in die Habenhausen Maschen beförderte, hatte sich die HSG-Trainerbank in diesem Punkt längst verzockt.

Den richtigen Einsatzzeitpunkt von Blum zu finden war aber auch eine schwierige Gratwanderung, da Blum in der Vorbereitung urlaubsbedingt gefehlt hatte. Er befand sich gerade erst seit einer Woche wieder im Training. Mit dem 11:20-Pausenrückstand war die Messe eigentlich schon für die HSG Schwanewede/Neuenkirchen gelesen. Für ihren Kreisläufer Michael Hartwich hat sie obendrein auch noch ein Nachspiel. Denn er ließ sich nach 39 Minuten zu einem Kopfstoß gegen den Habenhauser Hauke Marien hinreißen und sah dafür die blaue Karte, die eine Sperre für die nächsten Spiele ankündigt. Das folgende Revanche-Foul des Habenhausers Hauke Marien wurde mit „Rot“ bedacht.

„Kompliment an Habenhausen: Der ATSV hat effektiv gespielt, für uns kam das Spiel tatsächlich einige Zeit zu früh“, erklärte Andreas Szwalkiewicz abschließend.

Geschrieben von Olaf Kowalzik und veröffentlicht am 08.09.2019 im Weser Kurier